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"Was ihr wollt" in Mannheim: Eine alte Geschichte

Burkhard C. Kominskis "Was ihr wollt" Mannheim ist eine skurrile Shakespeare-Collage, die im Laufe des Abends an Fahrt gewinnt. Das Mannheimer Publikum fühlt sich jedenfalls mächtig bespaßt. Von Grete Götze

Die Mannheimer toben. Schauspieldirektor Burkhard C. Kosminki bringt sie mit seiner Inszenierung von Shakespeares "Was Ihr Wollt" zum Lachen. Das ist das deutlichste - und keineswegs kleine - Verdienst seines gut zweistündigen Abends. Den tragischen Motiven, die auch vorhanden sind, nämlich dem der stellvertretenden Brautwerbung und der starren Ständegesellschaft, schenkt Kosminski weniger Beachtung oder wendet sie ins Komische: Malvolio, der hochnäsige Diener der Gräfin, der sich gern den Grafentitel erheiraten würde, ist eine lächerliche Figur, sein Wunsch aufzusteigen erscheint als komische Anmaßung.

Auch die Tragik der missglückten stellvertretenden Brautwerbung, die Thomas Mann vier Jahrhunderte später in seinem "Doktor Faustus" weiterspielt, ist hier vor allem lustig. Viola verliebt sich, als Diener verkleidet, in Illyriens Herzog Orsino, der sie zur Gräfin Olivia schickt, um deren Gunst zu erwerben, wobei sich Olivia in den Werber verliebt und nicht in Orsino.

Die Aufführungen

Nationaltheater Mannheim: 17., 26., 27. Juni. www.nationaltheater-mannheim.de

Sabine Fürst wird als Diener Cesario von jedem mal beknutscht, bestiegen und besessen, bis schließlich ihr ertrunken geglaubter Bruder auftaucht und Olivia so beglückt, wie sie es möchte, so dass das tolle Liebesspiel endlich aufgeht. Mit Feingefühl gelingt es Kosminski, die komischen Elemente des Stückes freizulegen; entsprechend haben es die komischen Rollen bei ihm leichter als die tragischen: Der Narr, Tobias von Rülps und Andreas von Bleichenwang bilden mit Dienerin Maria ein Quartett, das die Zuschauer mit großem Erfolg bespaßt. Jene drei sind es auch, die Kosminski zuweilen umgangssprachlich heutig reden lässt. Weisheiten wie "Was tut´s mir in der Seele weh, wenn ich vom Glas den Boden seh" mischt er mit englischen Versatzstücken des Shakespeare-Textes und der deutschen Übersetzung von Rainer Iwersen.

So entsteht im schwarzen Guckkasten ohne Decke (Bühne: Florian Etti) eine skurrile Shakespeare-Collage, die im Laufe des Spiels an Fahrt gewinnt, wenn Publikumsliebling Klaus Rodewald als Bleichenwang seine Perücke zum Hund werden lässt oder Olivia nackt vor ihrem Geliebten herhüpft. Einzig Sabine Fürst spielt den Cesario mit einer Ernsthaftigkeit, die im Gegensatz zur überzeichneten Spielart der anderen steht. Auf den versöhnenden Komödienschluss, in dem die Paare heiraten, verzichtet Kosminski. Stattdessen singen alle zusammen das Lied des Narren. Der ist hier nicht nur der erste auf der Bühne, sondern auch Wortführer.

Autor:  Grete Götze
Datum:  16 | 6 | 2010
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