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Burgfestspiele Bad Vilbel "My Fair Lady": Die Schöne und der Rüpel

Unsere liebste Männerphantasie: "My Fair Lady" bei den Burgfestspielen Bad Vilbel. Ein vertrauter Spaß, der die Welt zwischen Vergnügen und Routine sichtbar macht. Von Judith von Sternburg

Eliza Doolittle und Professor Higgins auf der Burg - My Fair Lady bei den Festspielen in Bad Vilbel.
Eliza Doolittle und Professor Higgins auf der Burg - "My Fair Lady" bei den Festspielen in Bad Vilbel.
Foto: FR/Oeser

Die schönste Männerphantasie ist immer noch Alan Jay Lerners und Frederick Loewes (und George Bernard Shaws) "My Fair Lady". Wenn der Mann schon der Schöpfer der Frau sein will, dann soll er wenigstens eine Frau schaffen, die ihn Mores lehrt. Diesen abgründigen Spaß kann man bei den Burgfestspielen in Bad Vilbel gut nachvollziehen, weil sich ein plausibles Duo Lady/Misogynist gefunden hat. Ein Misogynist ist ein Frauenhasser, etwas so Unsinniges, dass es ein pathologisch wirkendes Fremdwort mehr als verdient hat. Aber genug davon.

In Bad Vilbel spielt Stefan Nagel den Professor Higgins, und Sonja Tièschky ist Eliza Doolittle. Nagel zeigt einen Kindmann, Rüpel und Spießer, und trotzdem leuchtet es ein, dass Elizas gerechter Zorn unlogischer Liebe weicht. Er spricht außerdem ein so blasiertes Deutsch, dass es dem Higgins´schen Englischen nahe kommt. Sonja Tièschkys Eliza ist eher bodenständig als zuckersüß. Als sie gegen Ende überlegt, dass sie einen richtigen Beruf ergreifen will - für Frauen dieser Zeit kam außer Lehrerin da nicht viel oder nichts in Frage -, glaubt man ihr von Herzen.

Während Higgins Eliza erzieherische Kiesel in den Mund stopft und den Beobachter Pickering (Erwin Bruhn) in eine i/ü-Konfusion treibt, sorgt Regisseur Egon Baumgarten dafür, dass auch sonst alles in Bewegung bleibt. Eine kleine Augenweide ist das Rennen in Ascot, in den Radau-Szenen ist Klaus Brantzen als Doolittle senior ein echtes Schlitzohr. Musikalisch kommt alles auf den Punkt, sobald man sich an die etwas dumpf wirkende Lautsprecherübertragung gewöhnt hat. Es gibt einen properen Chor und eine Combo, die Thomas Lorey leitet. Das schlichte, aber aufklappbare Bühnenbild (Thomas Pekny) wird von einem Faktotum geöffnet und geschlossen.

Selbstverständlich reproduzieren die Bad Vilbeler einen vertrauten Spaß. Aber er macht die Welt sichtbar, die zwischen dem Vergnügen an einer solchen Eigenproduktion und der Routine von Tourneetruppen liegt. Und wenn es nur ein Chor namens Vil BelCanto ist.

Burgfestspiele Bad Vilbel: bis 5. September. www.kultur-bad-vilbel.de

Autor:  Judith von Sternburg
Datum:  14 | 6 | 2010
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