Aktuell: Museumsuferfest Frankfurt | Türkei | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Theater

10. Februar 2016

Diskussion der Intendanten: Dreimal an den „Holländer“ glauben

 Von 
Die Frankfurter Oper hat die größte Drehbühne Europas.  Foto: Christoph Boeckheler

Eine Runde mit den Rhein-Main-Intendanten Bernd Loebe, Uwe Eric Laufenberg, Karsten Wiegand, Markus Müller und, vom Mousonturm, Matthias Pees.

Drucken per Mail

Warum?“, fragte Bernd Loebe, Intendant der Frankfurter Oper, mit der Lässigkeit des Erfolgreichen zurück – und noch einmal „Warum?“ Das auf die wiederholte Frage des Moderators, FAZ-Redakteur Michael Hierholzer, ob die Theater des Rhein-Main-Gebiets besonders bei teuren Opernproduktionen nicht stärker zusammenarbeiten müssten. Hierholzer versuchte, den Advocatus Diaboli zu geben, er war an diesem vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain organisierten Abend allerdings einer gegen vier (Intendanten): Loebe, Uwe Eric Laufenberg (Wiesbaden), Karsten Wiegand (Darmstadt), Markus Müller (Mainz). An der Seitenlinie gehörte noch Matthias Pees, Chef des Frankfurter Mousonturms, zur Diskussionsrunde im MMK.

An drei Fassungen von Richard Wagners „Fliegendem Holländer“ im Rhein-Main-Gebiet war die Frage festgemacht, zwei Neuinszenierungen, einer bereits im Repertoire. Aber die Intendanten wollten sich partout nicht nachsagen lassen, sich zu wenig abzusprechen – oder gar, Geld zu verschleudern. Man brauche „eine Vielfalt an jedem Standort“, führte Müller an und fand, dass „eine Region das aushalten kann“. Loebe nannte es „einen Reichtum“, drei Inszenierungen einer Oper sehen zu können. Und Laufenberg hatte bereits vorher darauf hingewiesen, dass ein erklecklicher Teil des Publikums „sehr an die einzelnen Häuser gebunden“ sei. Ein anderer Teil aber offenbar nicht: Der Mainzer Intendant Müller fand eine „Überlandverschickung von Produktionen nicht sinnvoll“, da die Menschen heute „so mobil“ seien.

Da der Kulturfonds der Zusammenarbeit in der „Rhein-Main-Metropolregion“ aufhelfen will, stand die Frage nach einer regionalen Identität im Vordergrund; was aber die Intendanten ganz offensichtlich nicht in erster Linie beschäftigt. „Jeder arbeitet für eine Sonderidentität seines Hauses“, so Loebe, der mehrfach formulierte, ein Intendant müsse das machen, „an was er glaubt“. Allerdings dürfe man auch „nicht ganz am Publikumsbedürfnis vorbei“ planen, so Loebe. Die Intendanten nutzten an diesem Abend zudem gern die Gelegenheiten, auf den guten Zuspruch zu ihrem Programm hinzuweisen.

Etwa auf den Erfolg des Hessischen Staatsballetts. Bei dieser Wiesbaden-Darmstädter Kooperation wollte aber wiederum der Mainzer Müller nicht mit-kooperieren, der zu Recht darauf hinwies, dass in Sachen Tanz „zwei Ensemble-Handschriften“ das Mindeste seien, was eine so große Region brauche. Tanzmainz bleibe daher sicher „eigenständig als kleines Geschwisterchen“. Nach seiner Beobachtung reist inzwischen zudem etwa die Hälfte des Tanzpublikums von anderswoher nach Mainz an.

Die Frage nach womöglich notwendigen künstlerischen Veränderungen, um das Publikum erstens nicht zu verlieren, zweitens stetig nachwachsen zu lassen, wurde ebenfalls eher frohgemut als inhaltlich beantwortet. Zu Schwarzmalerei, so formulierten es Loebe und Wiegand, bestehe kein Anlass. Der Darmstädter Wiegand fand auch, dass man nie genau wissen könne, „über welches Geheimnis jemand zur Oper, zum Theater kommt“. Und der Wiesbadener Kollege rief eine etwas vage „Kraft“ auf, die es brauche, um die Menschen zu erreichen. Eine Bühnenversion von „Star Wars“ hat trotzdem noch keines der Staatstheater auf dem Spielplan stehen.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus
Anzeige

Anzeige

Ressort

Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen.

Sommerferien

Bücher, Musik, Filme für die Sommerferien

Und wenn ungeheuer oben eine sehr weiße Wolke ist, dann zeigt das auch nur wieder, dass Lesen in jeder Situation den Horizont erweitert.

Das FR-Feuilleton empfiehlt Bücher, transportable Musik und auch einige Filme auf DVD für den Sommer. Mehr...

Serie
Polizeiabsperrung, kaum eine Kriminalgeschichte kommt ohne sie aus.

In der Sommerpause von „Tatort“ und „Polizeiruf“ schreibt die FR-Redaktion ihre Krimis wieder selbst. Ähnlichkeiten mit Fernsehermittlern sind aber rein zufällig.

Times mager

Vlaanderland

Flaches Land, kahle Kopfweiden und abgeerntete Stoppelfelder: mitten in Flandern.

Was macht die Erinnerung mit einem, wenn man nach 40 Jahren wieder in Flandern ist?  Mehr...

Buchmesse 2018
Volkstänzerin bei einem Festival in Georgien.

Georgien ist Gast der Frankfurter Buchmesse 2018. Vorabbesuch in einem wenig bekannten Bücherland.

Kalenderblatt 2016: 29. August

Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa

Das aktuelle Kalenderblatt für den 29. August 2016: Mehr...

Literatur

Aktuelle Rezensionen zu Literatur, Sach- und Kinderbüchern: die Literatur-Rundschau aus dem FR-Feuilleton.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Videonachrichten Kultur
Kolumne

Briefe des Philosophen Markus Tiedemann richten sich an Menschen extremer Glaubensüberzeugungen. Tiedemann ist Professor am Institut für vergleichende Ethik an der FU Berlin sowie Vorsitzender des Forums Fachdidaktik in der Deutschen Gesellschaft für Philosophie.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick

Anzeige

Kulturgeschichte
Karl, der Große

Karl der Große, geboren 748, beherrschte ein Reich, das vom Atlantik bis zur Elbe reichte, von der Nordsee bis Rom. FR-Feuilleton-Chef Christian Thomas beschreibt seine Herrschaft, die Reformen, seine Rolle als Gotteskrieger, die Bedeutung für Frankfurt - und nicht zuletzt derjenigen für Europa.

Teil 1: Bedeutender Mann im Gegenlicht
Teil 2: Sagenhafte Anfänge
Teil 3: Gewalt als Gottesdienst
Teil 4: Die Geschichte mit Karl

Oper
Ganz so schick wie bei den prominenten Vertretern unserer Spezies muss es dann doch nicht immer sein.

Hustenanfälle, Papierknistern, Opernglas ja oder nein - ein kleiner Ratgeber für den gelungenen Opernbesuch.

FR-App und E-Paper

Bei uns bekommen Sie das neue iPad Air von Apple im Paket mit der preisgekrönten FR-App - einschließlich aller FR-Ausgaben im Layout der Zeitung als E-Paper.

Buchtipps