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Theater

26. Februar 2016

Dresden Frankfurt Dance Company "C.O.R.E": Die emsige Evolution

 Von 
Hakeleien und Verknotungen in "C.O.R.E", hier Nora Sitges-Sardà, Michael Joshua Tucker.  Foto: Dominik Mentzos

Jacopo Godanis zweites, allzu monochromes Tanzstück für die Dresden Frankfurt Dance Company: „C.O.R.E“ ist ambitioniert, wechselt aber kaum den Ton.

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Beim Betreten des Bockenheimer Depots muss man an einem Krokodil vorbei. Es bewegt sich geschmeidig, es hat viele spitze Zähne, aber es besteht doch nicht einmal aus Haut und Knochen – vielmehr besteht es nur aus Knochen. Animationen von skelettierten Raubtieren, aber auch einer Schildkröte laufen auf diversen Wandflächen des Depots. Die tierische Eleganz ist bestechend wie auch die Möglichkeit, die Zahnräder dieses großartigen Apparats ineinandergreifen zu sehen. Eine Evolutionsleistung, zweifellos.

Jacopo Godani, Chef der Dresden Frankfurt Dance Company (Nachfolger der Forsythe Company) hat seine zweite Arbeit für das Ensemble jetzt nach Frankfurt gebracht, die Uraufführung von „C.O.R.E“ war in Dresden. Die Buchstaben stehen für „Creative Organization Reactive to Evolution“, die Tänzerinnen und Tänzer treten darin an als rastlos Wirbelnde und Webende. Aber ob der schweißtreibende Furor nun eine kreative Antwort auf die Evolution ist? Wie auch die Choreographien des Briten Wayne McGregor zeigt „C.O.R.E“ vor allem, dass abstrakte Ideen und wissenschaftliche Erkenntnisse nicht getanzt werden können. Der gedankliche Hintergrund ist ambitioniert; aber würde man die Projektionen weglassen – auch hinter den Tänzern schleicht und wittert einmal ein skelettiertes Raubtier – ähnelte dieses Stück in Bewegungsmaterial und Energie dem Vorgänger „The Primate Trilogy“.

Eine Männerstimme grollt

Zwei Tänzer mit leicht durchsichtigen schwarzen Bodies und ebensolchen (Bankräuber-)Masken überm Kopf scheinen das Geschehen zunächst zu dirigieren. Ein Akteur bekommt ein pulsierendes Herz auf den nackten Oberkörper projiziert. Bei den anderen setzt bald eine intrikate Hurtigkeit ein. Das Ensemble ballt sich, bildet vorrückende und gleich wieder zerstiebende Reihen. Zwei finden sich zum Duo mit vielen Arm- und Beinhakeleien und Verknotungen. Der Choreograph setzt auf Geschwindigkeit und eine Artistik großer Biegsamkeit.

Die Farbe, die diesen einstündigen Bewegungstaumel grundiert, ist freilich arg monochrom. Godani hat sich einmal mehr für das Elektronik-Duo 48Nord (Ulrich Müller, Siegfried Rössert) entschieden, und man wünscht sich mittlerweile von Herzen, er würde sich heranwagen an ganz anders geartete Musik. Denn das permanente Drängen, Dräuen und Pochen, das imitierte Geigenwimmern, als käme gleich der Mörder ums Eck, das insgesamt Forcierte und künstlich Aufgeregte dieser Komposition lässt dem Tanz wenig Freiheit. Mit der Musik attackiert er, täuscht Bedeutungsschwere vor, wo er seine feinen Details doch auch als Lust an der reinen virtuosen Bewegung präsentieren könnte.

Jacopo Godani, der auch für Licht, Bühne, Kostümdesign verantwortlich zeichnet, strebt eine gewisse Geschlossenheit, ein gleichsam durchgestyltes Stück an. Aber seine Choreographie ist eher emsig, als dass sie selbst ein Ausdrucksziel erkennen ließe. Es geht um die Evolution, irgendwie, es geht um die Entwicklung des Menschen. Das grollt, auf Englisch, zwischendurch eine dunkle Männerstimme, sie macht raunende Ansagen. Die wiederum der Tanz nicht plastisch machen kann – wie sollte er das auch schaffen?

Das 15-köpfige Ensemble ist famos. Aber es arbeitet sich an einer Choreographie ab, die wenig mehr als eine Tonlage kennt.

Dresden Frankfurt Dance Company im Bockenheimer Depot: 27., 28. Februar, 5., 6., 9.-12. März.

www.dresdenfrankfurtdancecompany.de

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