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Theater

17. März 2015

Forsythe Company: Die Forsythe Company soll künftig die Muskeln spielen lassen

 Von 
Jacopo Godani.  Foto: Rahi Rezvani

Jacopo Godani, Leiter eines völlig veränderten Ensembles, kündigt für den Herbst „Hardcore“ an, athletischen Tanz, der auch den Spitzenschuh nutzt.

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Was für einen Tanz er zeigen möchte? Jacopo Godani, mit der Saison 2015/16 Leiter der Forsythe Company und in Frankfurt gestern seine erste Programmpressekonferenz gebend, nimmt erstaunlicherweise zuallererst das Wort „Spitzentanz“ in den Mund; erklärt, dass es ihm bei der Auswahl neuer Tänzerinnen wichtig gewesen sei, dass sie auf Spitze tanzen können. Überhaupt, so führt er später aus, gehe es ihm um Tanz, bei dem getanzt wird. Furios getanzt offenbar, denn er möchte vor Anstrengung „rote Gesichter“ und „pumpende Muskeln“ sehen. Das Wort „Hardcore“ fällt auch noch.

Deswegen wird die neue Forsythe Company zwar hinter den Kulissen zu einem guten Teil die alte sein, aber auf der Bühne wird schon aus Altersgründen ein komplett neues Ensemble stehen, zwischen 20 und 30 Jahren jung, „stark und athletisch“ (Godani). Fast 800 Bewerbungen gab es, 36 Tänzer wurden zum Vortanzen geladen, 14 (sieben Frauen, sieben Männer) sind übrig geblieben, sie kommen aus neun Ländern. Eine Company-Stärke und Internationalität, wie sie im Tanz üblich sind.

Als Gegenpart zum sogenannten Konzepttanz tauchte vor Jahren der Begriff Tanz-Tanz auf – ein Zurück-in-die-Zukunft gewissermaßen, eine Feier des kräftig bewegten Körpers. Nun macht lustigerweise die Forsythe Company unter ihrem neuen Leiter, einem ehemaligen Forsythe-Tänzer, zu einer Zeit eine Rolle rückwärts zum Spitzentanz und zum Tanz-Tanz, als offensichtlich auch William Forsythe auf dem Absatz umdreht und beim Pariser Ballett anheuert.

In einem aktuellen Gespräch mit der „Financial Times“ macht Frankfurts langjähriger Ballettchef vielleicht, nein, hoffentlich einen Witz: Er habe vor Jahren mit Ballett aufgehört, „weil ich mir die Spitzenschuhe für meine Tänzer nicht mehr leisten konnte“. Etwas mehr leuchtet das nächste Argument ein, es ist wenigstens ein künstlerisches: Spitzentanz brauche Raum, ihm habe aber die Opernbühne nicht mehr zur Verfügung gestanden. Allerdings wird nun wahrscheinlich die neue Forsythe Company beweisen, dass man im ja nicht gerade kleinen Bockenheimer Depot durchaus auf Spitze tanzen kann.

Das Publikum soll stolz sein

Zwei selbst choreographierte Abende kündigt Jacopo Godani für seine erste Spielzeit an, sie werden am 1. Oktober 2015 und 25. Februar 2016 im Depot (Frankfurt-)Premiere haben. Der zweite Abend wird zuerst in Dresden zu sehen sein, wo die vom Land Hessen wie auch Land Sachsen unterstützte Company ja im Festspielhaus Hellerau ihre Residenz hat. Sonst ist über diese ersten Abende noch nicht viel zu erfahren: Man möchte etwas Bedeutungsvolles machen („something meaningful“) und eine Company sein, auf die das Publikum stolz ist. Und, auch das keine Überraschung, man möchte die Kommunikation aufnehmen mit den Zuschauern.

Godani, der von 1991 bis 2000 beim Frankfurter Ballett tanzte, sich dann als freier Choreograph durchschlug, zuletzt unter anderem in Mainz, scheint vor allem darüber glücklich zu sein, nicht jedes Mal mit einem anderen Ensemble wieder bei Null anfangen zu müssen. Ein „One-Man-Orchestra“ sei er lange gewesen – es klingt durch: zu lange. Nun, so sagt er frohgemut, möchte er schauen, ob er sich mit einem festen Ensemble künstlerisch weiterentwickeln kann.

Den Italiener scheint es tatsächlich nicht zu schrecken, dass er in sehr große Fußstapfen treten muss, dass er natürlich immer mit dem großen William Forsythe verglichen werden wird, da ja auch die Company (noch?) diesen Namen trägt. Eine Forsythe-Wiederaufnahme pro Jahr soll es geben, allerdings nicht in der ersten Saison, sondern erst im Herbst 2016. Im Prinzip, so Godani, stehen alle zwischen 1978 und 2013 entstandenen Forsythe-Werke zur Verfügung, doch könne man die „mythologischen Stücke“, die fürs Opernhaus entstanden, schon wegen der nötigen technischen Ausstattung nicht im Bockenheimer Depot zeigen.

Etwas Neues von William Forsythe wird es erst einmal in Paris geben; Godani möchte keinen Druck aufbauen („no pressure for Bill“), dass der Über-Choreograph wieder hier arbeitet. Aber bestimmt ist ihm klar, dass hinter der Frage, was für einen Tanz man von Jacopo Godani zu sehen bekommen wird, immer die Frage steht, ob und wie sich der neue Stil der Forsythe Company verhält zu der Handschrift des Mannes, dessen Namen sie nun einmal trägt.

www.TheForsytheCompany.com

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