Das Bild auf der Eintrittskarte ist eine Anspielung auf das einstudierte und ewig gleiche Kommunikationsverhalten der Angela M. Von diesem Humor hätte man sich mehr gewünscht in "Versuch´s doch mal mit Politik", der neuen Komödie vom Frankfurter Autoren Theater. Leider bleibt der Humor oft recht seicht.
Johnny Cliff hat die besten Tage hinter sich. Der schon etwas hüftsteife, selbstverliebt-neurotische Schlagersänger, von Viktor Vössing konsequent gespielt, hockt in seinem Yuppie-Loft und träumt von vergangenem Ruhm. Während er verzweifelt darauf wartet, dass ein weiblicher Fan vor seiner Haustür auftaucht, tanzt Johnny im allerbesten Stil eines Schlagersängers zu seinem Hit "Ahoi, Du kleine Geisha". Das Lied ist versiert getextet: Schlagerversatzstücke wie die exotische und schöne Fremde und der Traum vom gemeinsamen Leben werden so gekonnt schlecht zum immer gleichen Hintergrundgedudel dargeboten, dass das Lied auch locker in jedweder Sendung mit Carmen Nebel im ZDF gesungen werden könnte.
Sterben für den Erfolg
Johnnys Agentin Vera (Michaela Conrad) öffnet dem Abgehalfterten dann die Augen: Vorbei ist es mit der Karriere als Schlagerbarde. Nüchtern legt Vera dar, dass Johnnys Platten sich erst wieder verkaufen könnten, wenn er stirbt. Weil aber das Finanzamt mit Steuerforderungen droht, kann der Michael-Jackson-Effekt nicht abgewartet werden. Die zielstrebige und attraktive Vera sieht deshalb nur eine Chance: Johnny soll in die Politik gehen. So groß sind doch die Unterschiede nicht: Man muss sich eben verkaufen können, einfache Botschaften unters Volk streuen und nur nicht zu konkret werden. Ein Slogan für Johnnys Angriff auf die Wähler ist schnell gefunden, das Konzept des "unguten Gefühls". Ein ungutes Gefühl gegenüber der Politik, das hat doch jeder. Und Johnny, schon als Schlagersänger in Sachen Gefühl kernkompetent, will an diesem Punkt ansetzen, um Stimmen zu fangen.
Keine Spätrömer
Sylvia Hoffman hat das Stück geschrieben, und unter der Regie von Natascha Retschy beginnt es vielversprechend. Text und Umsetzung haben dann leider auch beide ihren Anteil, dass es zunehmend klamaukig wird, aber keineswegs witziger. Im Gegenteil: Die zusätzlichen Charaktere sind überzeichnet, stechen aber kaum.
Ein zynisch-aggressiver TV-Journalist erschreckt ein wenig, doch das eilig arrangierte TV-Interview mit Johnny, der jede politische Botschaft verdreht, gerät viel zu lang. Wie schön hätte der politische Sänger hier weitere Stanzen abfeuern können, die man ständig hört. Leider kommt es nicht dazu. Dabei wäre Johnny dazu prädestiniert gewesen, beispielsweise "die Menschen mitzunehmen". Eine Anspielung auf die aktuelle Debatte um dekadente Spätrömer wurde ausgespart.
Zusätzliche Verwirrung sollte die als anarchistisch angekündigte Tante des Sängers stiften. Der Zusammenprall des Neukonservativen Johnny mit der Verwandten fällt aber harmlos aus, zusätzliche Pointen fallen kaum ab. Viele andere Scherze funktionieren nach dem Humorschema des Aneinandervorbeiredens. Manchmal ist das amüsant, aber etwas bissiger hätte es gern werden dürfen. Anknüpfungspunkte dafür gibt das Stück her.
Frankfurter Autoren Theater in der Brotfabrik: 26.-28. Februar, 5.-7., 12.-14. März. www.fat-web.de