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Frankfurter Box: Mörder in unserer Nähe

Der neueste Spielort des Frankfurter Schauspiels heißt Box und ist eine Box. Sie eröffnet mit der Roman-Adaption "Abgesoffen". Von Judith von Sternburg

Der neueste Spielort des Frankfurter Schauspiels heißt Box und ist eine Box. Sie steht im Schauspielfoyer, ein Raum im Raum, innen ganz schwarz und bald total überheizt. Die Zuschauer sitzen in Reihen, die fast bis vorne reichen, die Bühne ist der verbleibende lachhaft schmale Streifen. Hier stehen jetzt 75 Minuten lang Oliver Kraushaar und Nils Kahnwald und unterhalten sich.

Es ist vermutlich nicht leicht, sich vorzustellen, dass das ziemlich wirkungsvoll ist. Kraushaar und Kahnwald stehen nämlich da wie ein nicht besonders inspiriertes Komödiantenduo. Kraushaar lässt die Arme einfach hängen (das ist auf die Dauer aber zweifellos nicht einfach). Kahnwald steckt sie auch mal in die Tasche. Sie machen die Art von Pausen, die man im Auto macht, weil ja immer etwas los ist: Landschaft fliegt vorüber, einer fährt. Davon kann hier aber keine Rede sein.

Aus dem buchstäblichen Nichts heraus also entwickelt sich "Abgesoffen" - wie im gleichnamigen Dialog-Roman des Spaniers Carlos Eugenio López. Und wer es noch nicht wusste, begreift auch hier erst nach und nach, dass die zwei die Leiche eines "Moro" transportieren, eines in Spanien lebenden Nordafrikaners . Einmal in der Woche begehen sie einen Auftragsmord an einem Zufallsopfer. Offenbar soll das Migranten abschrecken. Nicht zum erstenmal hadern sie mit ihrem Job, vor allem der Mann, den Kraushaar spielt, älter, stiller, angezogen wie fürs Bewerbungsgespräch (Kostüme: Jessica Mairbichler). Der Mann, den Kahnwald spielt, naseweiser, im Unterhemd, spricht lieber über Alexander den Großen oder eine Verflossene. Zwei Mörder vertreiben sich die Zeit. Man kann darüber lachen und mit den Zähnen klappern.

Regisseur Antú Romero Nunes, der auch die Bühnenfassung schrieb, sorgt dabei für einen unprätentiösen, aber nie improvisiert wirkenden Ablauf. Es wird zwar manchmal etwas angestrengt geschrien, aber doch nach Art von Männern, die sich bisweilen aufführen müssen wie im Dschungel. Außerdem stehen sie unter Druck, im Auto sowieso, aber auch auf dem Streifchen Bühne (so dass auch die Souffleuse zu tun bekommt). Dieser Druck ist es auch, der nie den Gedanken keimen lässt, ob wir hier in ein verkapptes Hörspiel geraten sind. Nein, das will man schon unbedingt sehen, wie Kahnwald und Kraushaar glasig über uns hinwegglotzen, wie ihre Blicke sich manchmal kurz treffen (wie im Auto eben). Als Kahnwald kurz mal raus muss, bleibt Kraushaar ungemein allein zurück. Er starrt vor sich hin, sein Mund zittert, was man aber nur sieht, weil alles automatisch Nahaufnahme ist.

Überraschend, dass sich für diesmal ein Ausweg zeigt. Die Fluppen schon bereit, schlüpfen die beiden aus dem deutlich gekennzeichneten Notausgang. Musik und Videoprojektionen am Rande (Johannes Hofmann) sind zumeist so diskret, dass man manchmal denkt, man hätte sich geirrt. Es ist nur gerade so, dass sich in der schwarzen Box doch noch eine Umgebung ahnen lässt.

Schauspiel Frankfurt, Box: 9., 19., 23. Oktober. www.schauspielfrankfurt.de

Autor:  Judith von Sternburg
Datum:  8 | 10 | 2009
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