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Theater

20. November 2012

Hallervorden: Er will doch Geld für sein Theater

 Von Birgit Walter
Dieter Hallervorden kämpft für das Schlossparktheater.  Foto: dapd

Dieter Hallervorden kämpft für das Schlossparktheater in Steglitz. Seit drei Jahren läuft dieses ohne Subventionen. Nun macht sich auch die Berliner CDU dafür stark, dass das Theater jährlich 800.000 Euro bekommt.

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Man muss nur ein paar nackte Zahlen ansehen und weiß alles, ohne Kommentar. Frank Castorf bezieht für jeden Platz, den die Volksbühne an der Kasse verkauft, 118 Euro vom Steuerzahler. Claus Peymann am Berliner Ensemble macht das für die Hälfte (62 Euro pro Platz), hält damit allerdings einen einsamen Spitzenwert unter den Sprechtheatern. Ein kleines Haus wie das Maxim-Gorki-Theater braucht 106 Euro Zuschuss pro Platz. Ja, verehrte Zuschauer, Theater muss man sich leisten können als Stadt, und ich möchte nicht wissen, wie viele von Ihnen sich lieber die Summe auszahlen und sich mit ihr einen Bunten machen würden, hätten sie denn die Wahl.

Ja, schon gut, war nicht so gemeint. Jetzt die Überleitung zum eigentlichen Thema, dem Schlossparktheater in Steglitz, wo der Kabarettist und Autor Dieter Hallervorden seit drei Jahren Theater ohne Subventionen macht. Was soll man noch erklären, wenn man weiß, die einen brauchen jährlich neun bis 15 Millionen Euro für ihr Theater, der andere macht dasselbe und will damit irgendwann sogar etwas verdienen. Auch ohne Kenntnis intimer betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge fällt auf: Das geht nicht gut, schon gar nicht, wenn das Theater so weit ab vom Schuss steht, draußen in Steglitz, statt touristennah bei den anderen Häusern.

Repertoire-Theater, mit Qualität

Hallervorden wollte außerdem auf keinen Fall einen boulevardesken Spielplan. Nein, gut-bürgerlich sollte es zugehen bei ihm, hatte er stolz verkündet. Für die Musicals, die zuvor in diesem Theater mit großer Verve gezeigt worden waren, hatte der Mann, der früher einmal Didi war, sogar gründliche Verachtung. Aber wie wollte er es nun anstellen? Na, eben mit gut-bürgerlichem Repertoire-Theater, mit Qualität: „Das wird etwas Innovatives, wir besetzen eine Nische. Die Leute sollen auf hohem Niveau unterhalten werden.“ Na gut, es ist nicht so, dass der Berliner Theaterfreund gar nicht wüsste, was das sein soll, ein Theater auf hohem Niveau.

Seit der Wende hat Berlin drei kleinen Theatern die Subventionen gestrichen, dem Schlosspark-, dem Hansa-Theater, der Tribüne, weil ihnen trotz Subventionen die Zuschauer weggeblieben waren. Es gab engagierte, optimistische, sympathische Versuche, es danach ohne Geld zu versuchen. Sie scheiterten alle. Hallervorden hat neben Lottomitteln viel eigenes Geld in sein Haus gesteckt, er hat gute Leute verpflichtet, anständige Inszenierungen abgeliefert, nichts zum Schämen. Die Auslastung lag bei 60 Prozent, nicht genug. Schon nach dem ersten Jahr bekam er 1,2 Millionen Euro Lottomittel.

Nicht genug. Hallervorden sagt jetzt, seine derzeitige Misere habe auch mit dem Tod von Dirk Bach zu tun. Der Schauspieler war kurz vor einer Premiere im Schlossparktheater gestorben, aber solche Erklärungen muss Hallervorden nicht bemühen. Das Theater geht nicht zugrunde, weil ein paar Vorstellungen ausfallen, sondern weil das Modell nicht aufgeht. Die Berliner CDU macht sich jetzt dafür stark, dass das Schlossparktheater jährlich 800.000 Euro Subventionen bekommt. „Das brauchen die mindestens, um über die Runden zu kommen!“ sagt Sprecher Stefan Schlede.

Stimmt, brauchen würden sie das. Der Tribüne würden schon 100.000 Euro reichen, um wieder zu öffnen. Aber geht es darum, was die Theatermacher brauchen oder darum, was Berlin braucht? Wer meint, dass Berlin weitere halb volle Theater braucht, die auf Steuergeld angewiesen sind, soll sagen, wem er das Geld wegnimmt.

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