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Theater

03. Mai 2015

Komödie "Möwe und Mozart": Der entmurrte Mann

 Von 
Keller und Gontermann im sonnigen Herbst.  Foto: Komödie Frankfurt

Heide Keller und Walter Gontermann sind „Möwe und Mozart“ in der Komödie Frankfurt, ein Paar, das schlagfertig quasselt, raunzt und grantelt.

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Die interessante Frage in Liebesdingen scheint am Ende nicht so sehr zu sein, wann es zu spät ist. Eher geht es darum, dass man nicht weiß, wann es so weit ist. Und zwar zu keinem Zeitpunkt. Demnach macht ausgerechnet der vernünftige Mensch einfach weiter, wohingegen der unlogische und sentimentalische Mensch sich zu Unrecht auf die Vernunft beruft, wenn er das Ende des Glücks mit 75 (oder in einem anderen, ebenso beliebig gewählten Alter) ausruft.

Sie würden sich alt nennen

Wie das verschwisterte Fritz Rémond Theater („Eine Couch in New York“) befasst sich die Frankfurter Komödie im Mai ausschließlich mit der Liebe. In Peter Limburgs „Möwe und Mozart“ geht es um eine Seniorin und einen Senioren, die sich selbst als alte Leute bezeichnen würden. Sie kennen sich schon länger vom Sehen, weil sie auf zwei benachbarten Parkbänken zu sitzen pflegen. Diesmal müssen sie – nicht so zufällig wie es zunächst aussieht – mit einer Bank vorlieb nehmen. Sie plappert, er versucht, das zu unterbinden.

Termine

Komödie Frankfurt: bis 28. Juni. Sonntags um 18 Uhr, dienstags bis samstags um 20 Uhr.

Dank Autor Limburg sind sie dabei um einiges witziger als wir normalen Passanten. Dank Bühnenbildner Thomas Pfau spielt die Szene im schönsten goldfarbenen Herbstwald (die Wirkung eines bühnengroßen Prospektes ist auch in der modernsten Welt nicht zu unterschätzen). Dank Heide Keller und Walter Gontermann traut man beiden gleich eine Portion Erfolg zu, auch wenn sie fürchterlich drauf los quasselt – ihre rheinländische Herkunft sanft zu Hilfe nehmend – und er raunzt und grantelt. Limburg hat ihn aber mit einer Wortgewandtheit ausgestattet, die mit dem Miesepeter ohnehin nicht in Übereinstimmung zu bringen ist. Sie wird ihn also entmurren, so nachher die offizielle Lesart. Da haben die beiden längst in seine Wohnung gewechselt, einen dunklen, weihevollen Musiker-Ort, an dem er ab jetzt keine Minute mehr Ruhe haben wird. Handys klingeln, brasilianische Nachbarn und die neue Bekanntschaft locken nicht, sie zerren den einsamen Alten geradezu ins Leben hinaus. Sex im Alter wird offensiv thematisiert. Keller und Gontermann spielen unter Horst Johannings Regie mit ausreichend Selbstironie, um praktisch alles sagen und tun zu können.

Im Untergrund der Geschichte gibt es eine große Tragödie, deren Bestandteile erst nach und nach heraufgeschaufelt werden. Das überfordert die Konstruktion des Stückes, nicht aber die Darsteller. Es ist beeindruckend, wie Walter Gontermann seiner Figur eine tragische Grundierung gibt. So dass man schon ahnt: Die Geschichte mit der Chipstüte, die der gereizte Komponist einst im Konzertsaal mit seinem Dirigierstab massakrierte, kann noch nicht alles sein.

Als Folie der nächsten Generation tritt Daniel Buder als sein Neffe gutmütig und lakonisch auf. Limburg lässt ihn die wirklich schlimme Ehe führen, mit einer Frau namens Emily, die sich auf der Bühne und im Publikum einer enormen Unbeliebtheit erfreut, obwohl sie nicht ein einziges Mal zu sehen ist. Vielleicht ist Emily ganz reizend.

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