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Theater

01. Februar 2015

Nationaltheater Mannheim Tanz: Kreuzritter und Dirndl

 Von 
Malthe Clemens, Nadège Cotta, Brian McNeal (v.l.n.r.)  Foto: Christian Kleiner

Kevin O’Days „2 Gents“ ist am Nationaltheater Mannheim eine etwas matte Shakespeare-Choreographie.

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Shakespeares „The Two Gentlemen of Verona“ ist vielleicht das allererste Stück des Dramatikers, jedenfalls aber eines, bei dem er das Komödienhandwerk noch geübt zu haben scheint. Es geht darin, wie später im „Sommernachtstraum“, um zwei junge Paare und Verwicklungen zwischen ihnen; die Veroneser Freunde Valentine und Proteus interessieren sich zeitweise für dieselbe Frau, Silvia, Tochter des Herzogs von Mailand. Die andere junge Frau, sie heißt Julia, reist ihrem heimlich geliebten Proteus als Mann verkleidet hinterher. Es gibt keine Elfen, aber Räuber im Wald, ein schwindelnder Valentine wird kurzzeitig ihr Anführer. Am Ende findet jeder Topf sein Deckelchen, vermählt der Herzog von Mailand die beiden Paare.

Mannheims Ballettchef und -intendant Kevin O’Day hat unter anderem eine feine, strenge „Othello“-Fassung choreografiert. Nun nahm er sich unter dem Titel „2 Gents“ der äußerst selten gespielten Shakespeare-Komödie an. Und bat den Jazzer Thomas Siffling, der am Nationaltheater Mannheim auch eine Konzertreihe kuratiert, um eine Komposition zu dieser Shakespeare-Vertanzung. Es ist eine beschwingt-drängende, oft volltönende, eben moderat jazzige Musik geworden, live gespielt von acht Musikern um Siffling selbst, der Trompete und Flügelhorn spielt sowie die einzelnen Nummern leise anzählt.

Folgerichtig ist auch der Tanz leichtfüßig, munter, ziemlich rasant, athletisch. Manchmal wie lässig hinskizziert. Aber Tanz und Musik fügen sich doch am Ende recht monochrom und leider auch oberflächlich zusammen – und zum reinen, tollen Spaß fehlt der Choreographie der entschlossene, auch mal frech überbordende Witz.

Volksmusikalisches Leitmotiv

Ein kleiner Text, gesprochen ebenfalls von Thomas Siffling, führt die handelnden Personen ein, die freilich im Folgenden kaum handeln werden. Valentine (Malthe Clemens) wird als werdender Tennisprofi vorgestellt und trägt weißen Sportdress, sein Gefolgsmann Speed (Davidson Jaconello) fährt Mofa in Lederjacke und Jeans. Valentines Freund Proteus (Brian McNeal) ist ein Ritter im Hängerchen, sein Knappe Launce (Dávid Kristóf) kommt im leichten Kettenhemd mit Kreuz daher. Silvia (Julia Headley) tritt im rosa Ballkleid auf, Julia (Nadège Cotta) im Dirndl, als Mann dann in Lederhose und Sepplhut. Der Graf von Kurpfalz (Luis Eduardo Sayago) steckt in Festuniform. Die fünf Räuber sind gelb-schwarz wie Wespen und wuchten Kugeln an Fußketten. So versucht Thomas Mika, Ausstattung, einen passenden, leichten Kostüm-Ton anzuschlagen. Aber das wirkt doch recht gewollt zusammengesucht.

Komponist Siffling hat durchaus das ein oder andere, zum Beispiel volksmusikalische Leitmotiv eingewebt. Trotzdem wirkt der mit Pause knapp zweistündige Abend eher wie ein Jazzkonzert mit Tanz als umgekehrt. Denn Ballettchef O’Day macht nicht viel aus Shakespeares Handlung. Nummer reiht sich auch choreographisch an Nummer. Vergeblich wartet man etwa darauf, dass aus der Verkleidung Julias komödiantische Funken geschlagen werden. Oder dass es nicht überstrapaziert wird, wenn dem Herzog das Mofa unterm Hintern wegfährt. Oft wird zwischen den schlichten Wandteilen ausgiebig hin und her gehuscht, belauert einer den anderen, aber es wollen sich daraus einfach keine narrischen Verwicklungen einstellen.

Termine

Nationaltheater Mannheim: 11., 20. Februar, 4., 15., 21. März. www.nationaltheater-mannheim.de

Nur wenig ist auch von einer Figurenzeichnung zu merken, wie sie O’Day in anderen Fällen schon beispielhaft gelungen ist. Thurio (Tyrel Larson), einen nervigen Verehrer Silvias, beharrlich hinter ihr hersteppen zu lassen, ist noch der hübscheste Einfall. Speed darf auftanzen wie es zu einem Shakespeare’schen Kobold, zu Puck etwa, passt. Und Julia Headley ist als Silvia von bestechender, fließender Eleganz.

Doch wirkt „2 Gents“ nicht wie ein großer, ins Opernhaus gehörender Abend, sondern wie ein Nebenwerk Kevin O’Days. Da hatte vergangenen Herbst Dominique Dumais’ ebenfalls zu Live-Musik Mannheimer Jazzer choreographierter Abend „Pure“ mehr Schwung und Kraft, mehr dramaturgische Abwechslung vor allem.

Vom Ballettintendanten wurde dieser Tage bekannt, er werde zum Ende der Spielzeit 2015/16 in Mannheim aufhören. Der 1962 geborene Amerikaner war dann 14 Jahre in Mannheim – es war insgesamt keine schlechte Zeit für die Ballettsparte.

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