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Theater

19. Dezember 2012

Nationaltheater Ungarn: Kulturkrieg in Ungarn

 Von Frank Herold
Statue des ungarischen Schauspielers Jozsef Timar vor dem neuen Nationaltheater in Budapest.Foto: dpa/dpaweb

Ein Nationaltheater ist zuerst national und dann Theater – wie es die Abfolge der Worte nahelegt, sieht es auch die rechtskonservative ungarische Fidesz-Regierung von Viktor Orban. Sie kann in ihrem unermüdlichen Kulturkampf nun einen weiteren Sieg verbuchen.

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Mit Attila Vidnyanszky wird endlich einer der Ihren, ein standfester Orbanist, zum Direktor des Ungarischen Nationaltheaters in Budapest berufen. Im Sommer 2013 läuft der Vertrag des bisherigen Chefs Robert Alföldi aus. Dass er nicht verlängert werden würde, war seit langem abzusehen.
Das Nationaltheater war auch bisher schon ein Wallfahrtsort der ungarischen Rechten. Allerdings besuchte sie nicht die Aufführungen. Regelmäßig versammelten sich Grüppchen von Nationalisten vor dem Gebäude am Donauufer und zeigten Flagge. Meist trugen sie nicht Rot-Weiß-Grün, sondern das historische weiße Banner mit dem Wappen. Die alte Kriegsflagge Ungarns.

Den Krieg hatten die Demonstranten Alföldi erklärt, weil dieser in ihren Augen nicht nur zu modernistisch war und zu respektlos mit den ungarischen Klassikern umging. Der Künstler war obendrein auch noch linksliberal und schwul. Nach seinem Wahlsieg ließ Orban dem Theaterdirektor einen ministeriellen Aufpasser beigeben, der vermutlich finanzielle Unregelmäßigkeiten finden sollte, um den unliebsamen Künstler abservieren zu können. Das misslang jedoch offenbar.

Vielleicht rettet Alföldi zunächst auch die erste ungarische Theateraffäre. Vor gut einem Jahr hatte der Budapester Bürgermeister, ein Orban-Parteifreund, einen Schauspieler und einen zweifelhaften Dichter mit offen faschistischen und antisemitischen Ansichten zu Leitern des Neuen Theaters machen wollen. Als sich das Entsetzen und die Proteste im In- und Ausland nicht legen wollten, sah der Bürgermeister von der Ernennung ab.

Beim Nationaltheater geht alles nun seinen bürokratisch unanfechtbaren Gang. „Das Nationaltheater ist nicht einfach irgendein Theater“, erklärte Kulturminister Zoltan Balogh bei der Ernennung von Vidnyanszky, „es ist eine Institution, die nationale Werte repräsentieren wird“. Als erstes will der neue Direktor Sandor Petöfi inszenieren, den „Helden Janos“.

Sein Vorgänger hat das Werk auch produziert. Allerdings habe er es dabei schamlos verfälscht, so Vidnyanszky. Er werde das geraubte Stück nun dem Volk zurückgeben.

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