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Theater

24. Januar 2016

Oper Frankfurt: Achten Sie auf das Cembalo!

 Von Stefan Schickhaus
Eine Ausgrabung an der Oper Frankfurt: "Le cantatrici villane" von Valentino Fioravanti im Bockenheimer Depot. Hier: Jessica Strong als Rosa.  Foto: Barbara Aumüller

Witz und gute Laune: Die Oper Frankfurt hat die vergessene Buffa-Oper „Le cantatrici villane“ von Valentino Fioravanti ausgegraben und zeigt sie jetzt äußert kompetent und beschwingt im Bockenheimer Depot.

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Menschen wie diese konnte man kürzlich erst in jenem kleinen TV-Dreiteiler kennen und mögen lernen, den sich Olli Dittrich für den NDR ausgedacht hat: „Jennifer – Sehnsucht nach was Besseres“ hieß er, die titelgebende junge Frau wollte darin ihrem Friseurberuf entkommen und setzte nacheinander auf die Pferde Maklerin, Eventmanagerin und Haarverlängerin. Das war lustig, weil sich niemand lustig machte über diese Träume. Sehnsucht „nach was Besseres“ ist ja zutiefst menschlich.

Die vier jungen Frauen, die jetzt im Bockenheimer Depot in Frankfurt raus wollen aus ihrem Dorfleben, setzen auf das Pferd Gesang. Operngesang natürlich – schließlich wurde das Stück, das da in einer Produktion der Oper Frankfurt Premiere hatte, im Jahr 1799 erdacht. Aktuell würde das ausgemergelte Hoffnungsross Castingshow heißen.

Der Italiener Valentino Fioravanti ist heute kaum mehr als ein Lexikoneintrag, zu seiner Zeit aber war er ein häufig gespielter und weit gereister Opernkomponist mit bestem Ruf. Buffa-Opern waren seine Spezialität, 70 Werke gingen ihm von der Hand, „Le cantatrici villane“ (Die Dorfsängerinnen) war seine berühmteste.

Ein durchweg junges Team hat sich wirklich ausgesprochen liebevoll um die Talente vom Lande gekümmert: Der Dirigent Karsten Januschke, bis vor kurzem noch Kapellmeister an der Oper Frankfurt, hat Fioravantis Partitur akzentreich und mit viel Schwung zu neuem Leben erweckt – eine Partitur übrigens, die schon deutlich macht, warum dieser Komponist seinerzeit hoch im Kurs stand, auch wenn da viel Austauschbares notiert ist.

Ein Maestro à la Schlingensief

Die italienische Regisseurin Caterina Panti Liberovici, Regieassistentin am Haus, hat die Buffa-Rarität mit skurrilem Witz auf die Bühne gebracht, ohne jede Behäbigkeit. Wie oft hat man schon Karikaturen von fiktiven Kapellmeistern gesehen – es ist ja ein Stück Theater auf dem Theater –, die mit Nickelbrille und schlecht sitzenden Frackschößen den Trottel geben müssen. Hier ist der agile Maestro ein Christoph-Schlingensief-Typ, geschmeidig und trotzdem grotesk – und wunderbar gespielt und gesungen von Björn Bürger, dessen Bariton ganz locker sitzt und der sich einfach smart bewegen kann.

Womit wir bei den Sängerdarstellern sind, die allesamt jung (zumeist aus dem hauseigenen Opernstudio stammend), allesamt höchst geeignet und durch die Bank herrlich mit ihrer Rolle verbunden sind. Rosa, die hoffnungsvollste der vier Primadonnen, wird gesungen von Jessica Strong mit leichter, reizvoller Schärfe, ihr häufig im unangenehm hohen Passaggio-Übergangsbereich gelegener Part ist technisch höchst anspruchsvoll, hörte sich aber vollkommen leichtgängig an.

Karen Vuong, die chinesisch-stämmige Sopranistin in der Rolle der Agata, klang insgesamt voller, aber auch sie vermittelte nie den Eindruck von Schwere oder Gewicht. Katharina Ruckgaber und Maren Favela komplettierten das Quartett mit „Sehnsucht nach was Besseres“ auf Augenhöhe.

Neben Thomas Faulkner als zum Intendanten sich berufen fühlender Don Marco trat auch Michael Porter sehr angenehm in Erscheinung – stimmlich, aber auch optisch, schließlich trug der aus der Fremde heimkehrende, totgeglaubte Ehemann der Rosa eine Ritterrüstung. „Er sieht wie ein Aufschneider aus“, singt der Kapellmeister bei seinem ersten Anblick, was bei einem Gegenüber in Ritterrüstung irgendwie, ja, komisch wirkt. Und mit dieser Art Komik, die auch einen Running Gag um ein vom Maestro wie sein Augapfel gehütetes und zu allen Unzeiten thematisiertes Cembalo einschließt, wurde diese launige Oper sehr gut über die doch nicht ganz kurze Spielzeit gebracht.

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Eine Allergie-Arie mit eingebauten Niesanteilen, eine Orchesterprobe mit laut rausblökenden Hörnern – es sind jetzt nicht wirklich wahnsinnig innovative Humorbausteine, mit denen Fioravanti seine „Cantatrici villane“-Oper bestückt hat. Wirkung zeigen sie dennoch. Und eine Arie des Kapellmeisters im zweiten Akt hatte dann doch das Zeug zur großen Nummer, vor allem auch wegen der starken Bebilderung: Der Maestro di cappella fühlt sich von Gift bedroht und verfolgt von Sängerinnen, die seinen Unterricht erflehen, wie Zombies kommen sie auf ihn zu; dazu ein Heer von Rittern, schließlich hat er sich an Rosa herangemacht.

Das ist die große Parlando-Nummer von Björn Bürgers, ein akrobatisches Stück Vokalkunst, gelebter Alptraum jedes Dirigenten. Das Premierenpublikum im Bockenheimer Depot war begeistert, einhellig gute Laune.

Oper Frankfurt im Bockenheimer Depot: 25., 27., 29., 31. Januar, 4., 6., 7. Februar. www.oper-frankfurt.de

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