Zur Entspannung gibt es im Frankfurter Schauspielhaus jetzt "Der Messias", ein lustiges, restlos diskursfreies, herrlich unnötiges, Frankfurterisch aufgepepptes Stück des britischen Autors Patrick Barlow. Mit einer Sonderbühne, die Ausstatterin Julia Plickat in den vorderen Teil Zuschauerraums hat einbauen lassen, wird das Große Haus für zwei Stunden zum Kleinkunsttheater. Unter der Regie von Ronny Jakubaschk toben darin Michael Quast und Andreas Uhse als verbindende Elemente unterschiedlicher Aspekte herum.
Es verbinden sich nämlich das leicht überdimensionierte Stadttheater mit den weniger komfortabel ausgestatteten freien Bühnen (hier: der noch zu gründenden "Abendländischen Bühne Rhein-Main", kurz "ARM", hö hö), das Kabarett mit der hohen Schauspielkunst, das schon vor langer Zeit Hergebrachte mit dem Nagelneuen, das Lokalkolorit mit dem Weltumspannenden, das Rustikale mit dem Filigranen. In den meisten Szenen kombinieren Quasi-Frankfurter Quast und Neu-Frankfurter Uhse beides auch in sich selbst. Uhse zum Beispiel, wenn er sehr überzeugend auf Esperanto-Körpersprache die bohrende Einsamkeit in einer Einzimmerwohnung in Oberrad darstellt. Sowie die bohrende Einsamkeit in einer Einzimmerwohnung in Niederrad. Über so was muss man erstmal lachen können, aber Quast und Uhse machen es uns so einfach wie möglich.
Quast ist dabei der Rustikale, und Uhse spielt nicht umsonst die zarte Maria, Jesu Mutter, welche nach der Pause in einem enorm schwangeren Zustand wiederkommt. Quast ist unter anderem der liebe Gott, eine deutlich gestörte Kreatur mit einem Packpapiertütenkopf.
Die Ausgangssituation ist die Darstellung der Weihnachsgeschichte durch zwei mittelmäßige Schauspieler, die die beiden sehr guten Schauspieler selbstverständlich prächtig spielen. Assistiert werden sie von Beleuchtern, die gerne das falsche Licht einstellen, Technikern, die die Händel-Platte ("Der Messias") zu spät ausstellen, einer Sopranistin (Sonja Ebel-Eisa), die lieber Mimi aus der "La Boheme" singt, und einem bereitwillig schwungvollen Publikum. Es kommt zu karnevalistischen Szenen. Und heutzutage ist man selbst im Stadttheater in der ersten Reihe nicht mehr sicher. Rolf zieht es aber souverän durch.
Ernsthaft lustig zu sein, es ist so schwer und sieht so einfach aus, wenn zwei bis drei zusammenkommen, die es können.
Schauspiel Frankfurt: 7., 9., 15., 22., 29. Nov., 9., 14., 16., 27., 28. Dezember. www.schauspielfrankfurt.de