Das Paar wie Hund und Katze ist aus verständlichen Gründen ein Komödien-Favorit: Wenn zwei sich einig sind, woraus soll ein Autor da Dialogfunken schlagen? Sind sich H & K aber drei Viertel des Abends spinnefeind, ist eine schlussendlich enthüllte Zuneigung umso süßer.
In dem 2003 uraufgeführten Stück "Sechs Tanzstunden in sechs Wochen" des Amerikaners Richard Alfieri stoßen höchst spektakulär die Witwe eines Baptistenpredigers und ein schwuler ehemaliger Revue-Tänzer aufeinander. Sie, Lily, ist korrektes Bürgertum - Gerrit Schulze Uphoff hat im Frankfurter Rémond-Theater die Wohnungswände mit Degas gepflastert und den Boden mit Perser ausgelegt - , er, Michael, ist frech und herzlich ordinär. Die erste Tanzstunde hat noch nicht begonnen, da nennt er sie eine vertrocknete alte Schachtel.
Sie will ihn gleich wieder rausschmeißen, da erzählt er ihr eine Rührgeschichte um seine kranke, arbeitsunfähige Frau. Bis zur nächsten Tanzstunde aber hat sie recherchiert, dass es die Tierklinik, in der seine Frau angeblich arbeitet, gar nicht gibt. Er, bloßgestellt als ehefraulos, revanchiert sich eine Tanzstunde später, indem er sie mit ihrem Ehemann-Schwindel konfrontiert: Der geht nicht etwa während des Unterrichts rücksichtsvoll spazieren, sondern ist seit Jahren tot. Lily und Michael diskutieren, welche Lüge schlimmer ist. Aber dann tanzen sie doch.
So ist es am Ende jeder Szene. Bereits nach 15 Minuten ist man sich dieses Ablaufs so sicher, dass nur das jeweilige verbale Kreuzen der Klingen noch Abwechslung verspricht.
Fürs Rémond-Theater tun dies - unter der Regie Volker Jecks und in der Choreografie Tanya Walters - Heidi Mahler, Jahrgang 1944, und Axel Stosberg, Jahrgang 1967. Denn darum geht es in "Sechs Tanzstunden" vor allem auch: Kann eine Generation die andere verstehen? Kann eine 72-jährige (Lilys von Michael uncharmant enthülltes Alter) Landpomeranze mit Baptistenpredigermann einen Draht finden zum mitteljungen (da schweigt der Text) New Yorker mit wechselnden Lovern.
Natürlich kann sie, wir sind hier im Theater. Aber sie kann es nur zum Teil dank der geschmeidigen, recht lustigen Dialoge Alfieris. Heidi Mahler lässt als Lily von Anfang an - dezent! - durchscheinen, dass man sie nicht unterschätzen sollte. Dass sie vielleicht, gesellschaftlich und tänzerisch, ein wenig eingerostet ist, andererseits aber keineswegs von vorgestern. Axel Stosberg muss da nur noch das Lästermaul mit dem guten Herzen geben, schon ist das Komödienpaar perfekt.
Rémond-Theater Frankfurt: bis 6. März. www.fritzremondtheater.de