In eineinhalb Stunden ohne Pause geht es um alles: Liebe, Sex, Glauben, Kinder kriegen, Ausländer, Freundschaft, Beruf, Psychotherapie. Und das in einer Affengeschwindigkeit. Dazwischen poppige Musik. Und Slapstick. Auf fünf Ebenen kraxeln die neun Schauspieler in der Uraufführung von "Bleib mein schlagendes Herz" umher wie im Gebirge. Sie fallen runter, steigen wieder auf.
Juliane Kann, Jahrgang 1982, hat vom Schauspiel Frankfurt den Auftrag bekommen, ein "Jugendstück" zu schreiben. Es entstammt jener Trilogie, zu der auch die Stücke "Fieber" und das gerade in Stuttgart aufgeführte "Wir werden sehen" gehören. In "Bleib mein schlagendes Herz" nimmt sich Kann der "Quaterlife Crisis" an, wie wir aus dem Programmheft lernen. Das sind Menschen zwischen 25 und 35, die ihre erste Krise einfach vorverlegen, ohne eigentlich gelebt zu haben.
An diesem Abend stehen vier Männer und fünf Frauen auf der Bühne. Es könnten sich vier Pärchen ergeben. Aber die Jugendlichen finden nicht zueinander. Nur ein Paar heiratet - und wirkt auch nicht so richtig glücklich. Aus den Lautsprechern dröhnt die "Bridge over troubled water"-Melodie von Simon and Garfunkel - dazu wird getextet: "Du bist nicht allein". Dabei kämpfen sie alle vergeblich gegen ihre Einsamkeit: Als Eddie (David Müller) bei der Prostituierten Julischka (Rebekka Aue) ein bisschen Zuneigung sucht, will die nur Tiersex mit ihm machen. Und Tilmans (Daniel Kozian) stärkstes Gefühl ist Hunger. Viele sagen an diesem Abend, dass sie lebensmüde sind, dass sie sich nicht mögen, dass es "scheiße" ist. Entweder ist die Sprache des Stücks so, weil Jugendliche heute so sprechen oder weil den Jugendlichen, die das Jugendstück sehen sollen, nicht viel zugetraut wird. Das, was gemeint wird, wird auch gesagt, es gibt keinen doppelten Boden.
Die Inszenierung von Daniela Löffner ist nicht langweilig. Die Schauspielschüler der Frankfurter Hochschule haben Spaß am Spielen. Aber bei all der poppig dargebotenen Lebensmüdigkeit fragt man sich, ob junge Erwachsene wirklich so hoffnungslos, so selbstbezüglich sind, wie sie dieser Tage gerne beschrieben werden: In Frank Abts Regie umkreisten schon 2008 drei Jungs und ein Mädchen in Kanns "The kids are alright" nur sich selbst. In Nis-Momme Stockmanns "Das blaue blaue Meer" wachsen die Jugendlichen in einer hoffnungslosen Umgebung auf. Und Peter Lichts "Cléanti" will gerade am Berliner Gorki-Theater nicht erwachsen werden.
Schauspiel Frankfurt: 19., 21. und 31. März. www.schauspielfrankfurt.de