Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flucht und Zuwanderung | USA nach der Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Theater

14. Februar 2016

Schorsch Kamerun / Fabian Hinrichs: Mit einer Frisur in Florenz

 Von 
Schorsch Kamerun und Fabian Hinrichs, jetzt zusammen im Mousonturm Frankfurt.  Foto: Dorothea Tuch

Schorsch Kamerun und Fabian Hinrichs im Frankfurt LAB: Ach, hätten sie doch einfach ein Konzert gegeben. Stattdessen gab es das Theaterprogramm „Ich habe um Hilfe gerufen. Es kamen Tierschreie zurück“, an dem der Titel das Beste war.

Drucken per Mail

#bigimage[0]

Die erste halbe Stunde ist ein Konzert – und so hätte es doch weitergehen können: Schorsch Kamerun singt und schlagwerkt, Fabian Hinrichs spielt E-Gitarre, PC Nackt bearbeitet ein Klavier und schraubt an Knöpfen. Man hätte dann „Konzert“ ins Mousonturm-Programm geschrieben, die Fans der Goldenen Zitronen hätten hingehen können, dazu alle, die den Schauspieler Hinrichs mal als – achtbaren – Musiker erleben wollten.

Aber nach der ersten halben Stunde werden in der Halle des Frankfurt LAB die beiden Podeste mit den Instrumenten zur Seite geschoben, scheucht Hinrichs PC Nackt hinaus, der noch mit den Kabeln spielt – und folgen 50 Minuten lang und erbarmungslos die angekündigten Bestandteile „Theater“, „Performance“, auch Tanz. Am Ende bleibt der Titel des Kamerun/Hinrichs-Abends das Beste daran: „Ich habe um Hilfe gerufen. Es kamen Tierschreie zurück.“

Angeblich hat Schorsch Kamerun sich hier erstmals als Regisseur betätigt; aber was mag er inszeniert haben? Er hat jedenfalls nicht verhindert, dass sich Fabian Hinrichs, ein so famoser wie wandelbarer Schauspieler, mit einem eigenen Text blamiert. Und er fand es womöglich cool – und irgendwie Dada? -, dass die Skvo’s Dance Company aus Minsk zuletzt wie eine bessere Karnevalstruppe rumhüpft, auch die Männer als Geisha verkleidet. Immerhin kommen die fünf jungen Leute so mal aus Weißrussland raus.

Warum im Neoprenanzug?

Fabian Hinrichs aber wechselt von der Gitarre in den – wie so vieles an diesem Abend unerklärlichen – Neoprenanzug. Derart gummiert trägt er einen wirren Text vor, der autobiographische Elemente zu enthalten scheint. Man erfährt: Der Sprecher war 16 Mal in Florenz (oder auch nicht, egal), hat in Portugal Kartoffelpüree gegen Durchfall gegessen, wollte Ichthyologe werden. Der Sprecher buchstabiert F-R-I-S-U-R, ruft rhapsodisch nach einer gewissen Stefanie, erwähnt seinen Großvater und Garibaldi, und übrigens: „Der große Pan ist verramscht.“ Wie ein Fernsehprediger zieht Hinrichs Wörter in die Länge, gestikuliert, schreit und betont krass: „Das LEBEN ist gaaaanz anders!“ Das Gedröhn macht ganz müde.

„Echt nur noch vier Minuten“ ruft er Zuschauerinnen hinterher, die gehen. Diese verpassen einen Versprecher, der wenigstens für heitere Entspannung sorgt: „Die Stadt finanzierte ... faszinierte mich“. Da zuckt Fabian Hinrichs mit den Schultern, murmelt „selbst geschrieben“, guckt von der Seite einen Ihr-seid-mir-doch-nicht-böse-Blick.

Nein, wir sind ihm nicht böse. Solange er in Zukunft wieder spielt, was andere verfasst haben.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus
Anzeige

Anzeige

Ressort

Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen.

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Times mager

Mottig

Von  |
Auf seinem Weg in die Geschichtsbücher macht Donald Trump auch vor der Tierwelt nicht halt.

Wem zu Ehren oder zum Hohn wurde eigentlich eine neu entdeckten Mottenart nach Donald Trump benannt? Der Motte? Trump? Mehr...

Buchmesse 2018
Volkstänzerin bei einem Festival in Georgien.

Georgien ist Gast der Frankfurter Buchmesse 2018. Vorabbesuch in einem wenig bekannten Bücherland.

Kalenderblatt 2017: 24. Januar

Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa

Das aktuelle Kalenderblatt für den 24. Januar 2017: Mehr...

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Videonachrichten Kultur
Kolumne

Briefe des Philosophen Markus Tiedemann richten sich an Menschen extremer Glaubensüberzeugungen. Tiedemann ist Professor am Institut für vergleichende Ethik an der FU Berlin sowie Vorsitzender des Forums Fachdidaktik in der Deutschen Gesellschaft für Philosophie.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick

Anzeige

Kulturgeschichte
Karl, der Große

Karl der Große, geboren 748, beherrschte ein Reich, das vom Atlantik bis zur Elbe reichte, von der Nordsee bis Rom. FR-Feuilleton-Chef Christian Thomas beschreibt seine Herrschaft, die Reformen, seine Rolle als Gotteskrieger, die Bedeutung für Frankfurt - und nicht zuletzt derjenigen für Europa.

Teil 1: Bedeutender Mann im Gegenlicht
Teil 2: Sagenhafte Anfänge
Teil 3: Gewalt als Gottesdienst
Teil 4: Die Geschichte mit Karl

Oper
Ganz so schick wie bei den prominenten Vertretern unserer Spezies muss es dann doch nicht immer sein.

Hustenanfälle, Papierknistern, Opernglas ja oder nein - ein kleiner Ratgeber für den gelungenen Opernbesuch.

FR-App und E-Paper

Bei uns bekommen Sie das neue iPad Air von Apple im Paket mit der preisgekrönten FR-App - einschließlich aller FR-Ausgaben im Layout der Zeitung als E-Paper.