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Theater

26. November 2012

Shakespeare in Berlin: Zweierlei Mühsal mit Shakespeare

 Von Ulrich Seidler
Schauspieler Martin Seifert in der Rolle von Sir Andrew Bleichenwang (v.l.), Veit Schubert in der Rolle von Sir Toby Ruelps und Thomas Quasthoff in der Rolle von Narr Feste im Berliner Ensemble Theater in Berlin im Theaterstück "Was ihr wollt" von William Shakespeare.  Foto: dapd

Katharina Thalbachs „Was ihr wollt“-Inszenierung ist krachbunt und verkitscht vor einem lächerlich gut gelaunten Publikum. Auch „Shakespeare. Spiele für Mörder, Opfer und Sonstige“ von Dimiter Gotscheff und Ivan Panteleev knirscht vor Mühe.

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Berlin –  

Gleich zwei Traditionshäuser unserer Stadt brachten am Wochenende groß angelegte Shakespeare-Dreistünder auf die Bühne. Das lädt zum Vergleich ein: Mit frenetischem Jubel und Standing Ovations bedankte sich am Sonnabend das fast schon lächerlich gut gelaunte Publikum am Berliner Ensemble für Katharina Thalbachs „Was ihr wollt“-Inszenierung, eine krachbunte, mit allen erdenklichen Mitteln vergrinster, versauter, verknatterter, verkitschter Shakespeare-Schwank. Einige konsternierte Gesichter und ein Buhrufer konnten in diesem tobenden Kindergarten am Schiffbauerdamm die Theaterseligkeit nicht mildern.

Nicht, dass es in Shakespeares schwarzgalliger Verstellungs- und Verwechslungskomödie übertrieben zart zugehen würde, nicht dass die Übersetzung von Thomas Brasch eine Hand vor den Mund nähme, aber bei Thalbach (die Witwe Braschs spielte bei der Uraufführung 1984 im Schillertheater der Übersetzung selbst die Hauptrolle) wird gerammelt, dass der Anus brennt und die Dampfschiff- und Meerestier-Kulisse wackelt. Pappschläger und Popschlager kommen zum Einsatz. Alles darf daneben gehen, und niemand ist sich für nichts zu schade. Auch nicht der Star des Abends Thomas Quasthoff als singende Ulknudel und Rotnasen-Narr. Und wie viel Mühe sich gegeben wird beim Lustigsein! Die sich als doof-derbe Gaukler verstellenden Ensemble-Angestellten müssen unter schwerstem Muskelkater gelitten haben vom vielen Augenverdrehen, Stimmeverstellen, Gesichterziehen und Rumhampeln. Uff.

Gotscheff-Gaukler vielfach erprobt

Vor Mühe knirscht auch „Shakespeare. Spiele für Mörder, Opfer und Sonstige“, ein von Dimiter Gotscheff und Ivan Panteleev zusammengestelltes Best-of-Programm, das am Freitag im Deutschen Theater Premiere hatte. Freilich sind hier die Gotscheff-Gaukler vielfach erprobt, verfügen über eine durchtrainierte Spielmuskulatur und bieten geradezu athletische Virtuosität: Margit Bendokat mit ihren Ein-Ton-Kanonaden oder Samuel Finzi mit seiner furchtlos-brüllenden Zwergen-Entrüstung oder die schwarze Sirene Almut Zilcher oder der pseudotrottelige Wahnwitzbold Peter Jordan oder der diebische Todes-Kicherer Wolfram Koch. Dazu kommen solche Spielathleten wie Peter Moltzen, Anita Vulesica, Ole Lagerpusch und Meike Droste, eine Live-Combo, die Sopranistin Ruth Rosenfeld und Bettina Tornau in lebensechter Gestalt eines Schimpansen, der in seiner Ruhe und seinem Fürsichsein allen die Show stiehlt.

Ähnlich wie bei Gotscheffs DT-Tschechow-Verschnitt „Krankenzimmer Nr. 6“ (2010) hängen die Scheinwerfer tief über der leeren Bühne und entwickeln ein Eigenleben. Damals stellte das Ganze eine Irrenanstalt dar, in der die Tschechow-Figuren aus verschiedenen Werken zusammengesperrt waren, miteinander in Beziehung traten und eine poetische, lebendige Widerwelt schufen, die zum Sehnsuchtsort für den Zuschauer-Normalo wurde. Hier aber, bei den schwarzen Szenen aus Shakespeare-Stücken von „Titus Andronicus“ bis „Hamlet“, vorzugsweise zitiert aus Müller-Bearbeitungen, gibt es keinen Zusammenhang als den Tod. Er wurde zum Leitmotiv für ein Schauspielerdarbietungsprogramm degradiert und geriet so zur todmüdemachenden Harmlosigkeit. Großer Applaus auch hier, allerdings lange nicht ganz so tobsüchtig wie am Berliner Ensemble.

Was ihr wollt 29.11., 6., 16.12. im Berliner Ensemble, Tel.: 030 / 28 40 81 55

Shakespeare. Spiele für Mörder... 29.11., 2., 13., 16., 21.12 im Deutschen Theater, Tel.: 030 / 28 44 12 25

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