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Theater

22. Januar 2016

Spitfire Company in Darmstadt: Darauf noch ein Bier

 Von 
Der Boss (r.) und der peinlich berührte Untergebene.  Foto: Michal Hancovský

„Antiwords“ und „One Step Before the Fall“: Die tschechische Spitfire Company, zu Gast im Staatstheater Darmstadt, lässt Suffköppe und Muhammad Ali tanzen.

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Am Ende war die Neugier groß und versuchte ein guter Teil des Publikums festzustellen, ob das auf der Bühne konsumierte Bier echt war. War es. Ein an der Produktion Beteiligter wies darauf hin, dass es sich ja nur um Pils mit 4,4 Prozent Alkohol handele. Auch war einiges davon auf Tisch und Boden gelandet. Die Bewunderung für die beiden Darstellerinnen stieg vermutlich dennoch auf Zugspitz-Höhe.

„Antiwords“ ist der Titel eines feinen kleinen Bewegungstheaterstückes der tschechischen Spitfire Company um Petr Bohác. Es ist von einem Einakter Václav Havels inspiriert, „Audienz“: Ein Schriftsteller, der sich als Hilfsarbeiter über Wasser hält, wird darin zum Chef, dem Braumeister, gerufen, um für Spitzelberichte angeworben zu werden. „Nimm ein Bier!“ ist der Refrain des Gesprächs. Die beiden Tänzerinnen der Bohác’schen Version leisten ihm Folge.

Eine hinreißend gestische Präzision

Fürs Trinken heben Jindriška Krivánková und Tereza Havlícková jeweils ihre massiven, metallglänzenden Männerköpfe an. Sonst aber sind sie 45 Minuten lang beschränkt auf Gesten- und Körpersprache, nur manchmal unterstützt von einer Stimme aus dem Off.

Von hinreißender gestischer Präzision und eindeutig männlich konnotiert sind die Großspurigkeit des Chefs und die Verlegenheit des Untergebenen; immer wenn der Boss zum Pissoir muss, wechselt der andere schnell den Platz und die Rolle. Und wieder wird ein Bier aufgemacht. Und schließlich ein bisschen getanzt, drollig-ironisch. Karel Gott singt „Für immer jung“.

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Im Doppelpack gab es die Spitfire Company jetzt in den Kammerspielen des Staatstheaters Darmstadt. Den „Antiwords“ ging das ebenfalls rund dreiviertelstündige „One Step Before the Fall“ voraus, ein Duo für eine Musikerin und eine Tänzerin. Lenka Dusilová mischte live Stimme und Gitarre zu auch mal vehement Grollendem. Markéta Vacovská stieg in den Ring, und das ist wörtlich gemeint. Denn um Muhammad Ali geht es hier, den jungen, starken, lässigen wie den von Parkinson gezeichneten.

Es spielt bald keine Rolle mehr, dass eine schmale, wenn auch im Verhältnis muskulöse Frau den Boxer gibt. Sowohl das breitbeinige, selbstbewusste Auftreten wie das den Körper ergreifende Zittern werden von Markéta Vacovská mit vibrierender Intensität und äußerster Detailgenauigkeit abgebildet. Sie ist der Größte. Sie ist der fassungslos, hilflos Bebende.

Die Spitfire Company scheint sich auf kammerspiel-artige Stücke spezialisiert zu haben. Sie hat dabei einen originellen Platz gefunden zwischen Tanz, Pantomime, einem Hauch Slapstick, Bewegungstheater. Sie fasst jeweils eine Idee in eine Nussschale, aber es sind wirklich äußerst schmucke Nussschalen.

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