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Theater

20. März 2016

Staatstheater Darmstadt: Im Rationenkrieg

 Von Stefan Michalzik
Samuel Koch in düsteren Kampfhandlungen eines sinnlosen Krieges.  Foto: Alexander Paul Englert

Düsteres Theatermärchen mit Jana Zöll und Samuel Koch: „Die beste aller möglichen Welten“, versiert am Staatstheater Darmstadt.

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Die Zukunft wird eine befriedete nicht sein. Im Zeichen von Versorgungsnöten, die aus einem ökologischen Raubbau resultieren, sind die Verhältnisse von unerfreulicher Art. Die gesellschaftliche Organisation ist eine postdemokratische. Alte und kranke Menschen werden in Pflegestufen nicht nach Bedürftigkeit, sondern nach der Wichtigkeit für das Gemeinwesen eingeteilt. Auf Stufe null gibt es gar keine Versorgung, der Betroffene wird dem baldigen Tod anheimgegeben.

Es ist ein Abend von leiser Art, der in den hierfür ideal katakombenhaften Kammerspielen des Darmstädter Staatstheaters Premiere hatte. Das vor vier Jahren in München gegründete junge Kollektiv Rohtheater um das Kerntrio Bülent Kullukcu, Anton Kaun und Dominik Obalski entwirft in seinem Stück „Die beste aller möglichen Welten“ ein weitreichend ganz und gar durchschnittliches Szenario, wie es aus literarischen wie filmischen Zukunftsvisionen mannigfach vertraut ist.

Es herrscht ein Zustand des Krieges im Jahr 3000nochwas, zwischen den Erdenbewohnern gibt es seit dem „Rationenkrieg“ keine Kämpfe mehr, die gehen nun gegen die Bewohner anderer Planeten. Homosexualität ist akzeptiert und als die einzige zuverlässige Methode für eine Geburtenkontrolle wider die Überbevölkerung willkommen.

Mit Liebe gemacht

Mehrere hintereinander gestaffelte raumbreite schneeweiße Bergmassive dienen als Flächen für filmische Projektionen. Es sind dokumentarische Aufnahmen von zerstörten Städten zu sehen, in einem Falle wohl von einem – aktuellen? – Flüchtlingslager, sowie Comichelden und historische Bildwelten aus Geldscheinen. Seitlich ist gleichsam ein Filmstudio mit Gebäuden und Figuren der Modelleisenbahn aufgebaut. Die Videokamera greift Szenen mit Kampfhandlungen heraus. Das ist natürlich possierlich.

Überhaupt ist die Ausstrahlung die eines hermetisch düsteren Theatermärchens, in das Kullukcu, Kaun und Obalski zusammen mit den beiden behinderten Darstellern Jana Zöll und Samuel Koch entführen, die in Kampfanzügen in Erscheinung treten. Gewiss ließe sich dieser einstündige Abend ungeschnitten als Hörspiel senden, ob die Stimmen nun gerade aus dem Off kommen oder direkt von den beiden Spielern, das nimmt sich nicht viel. Als Musiker besorgen Kullukcu (Laptop) und Obalski (Klavier und Kesselpauke) einen spannungsreichen Dark-Ambient-Soundtrack, mal steuert Kaun ein noisehaftes elektronisches Klanggewitter bei.

Das ist alles mit Liebe gemacht, handwerklich hochversiert – und erkenntnisschwach. Kriegskonstellationen über die Jahrhunderte bis zurück in die Antike werden gleichsam durchdekliniert. Gerade mal ergibt sich aus der geleierten Auflistung ohne Ende eine milde groteske Wirkung, die banalerweise die Sinnlosigkeit all dessen geißelt, vor dem gedanklichen Hintergrund von Voltaires Satire „Candide oder die beste aller Welten“. Das Staatstheater entfernt sich mit derlei meilenweit von seinem textorientierten Repertoirekern und wildert im Revier der Festivals und Produktionshäuser nach Art des Mousonturms. Spricht nichts dagegen, sofern es bloß aufgeht.

Staatstheater Darmstadt: 24. März, 1. und 30 April. www.staatstheater-darmstadt.de

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