Aktuell: Eintracht Frankfurt | Fußball-News | Blockupy | Ukraine | Polizeimeldungen Frankfurt/Rhein-Main

Theater

14. Januar 2013

Staatstheater Mainz: Nichts ist sicher, nichts einfach

 Von Bernhard Uske
Verunsicherung in aufgerissenen Räumen: „Der Prinz von Homburg“ in Mainz.  Foto: Martina Pipprich

Erstklassig: Hans Werner Henzes „Der Prinz von Homburg“ am Staatstheater Mainz.

Drucken per Mail

Aus Ingeborg Bachmanns Sicht war Prinz Friedrich von Homburg „der erste moderne Protagonist, schicksallos, selber entscheidend, mit sich allein in einer ,zerbrechlichen Welt‘“. Für Hans Werner Henze hat sie 1958 aus dem Schauspiel Heinrich von Kleists ein Libretto gefertigt, das diesen Prototypen einer neuen Wirklichkeit als Frage fungieren lässt, wie wirklich die Wirklichkeit denn nun ist. Henzes Musik war die Parallelaktion dieser theatralischen Verunsicherung: Wie sprachmächtig kann avancierte Musik sein, wie avanciert traditionelles Idiom? Gibt es überhaupt einen festen Grund, und wie ordentlich können außerordentliche musikalische Ordnungen sein?

Nach dem Tod des Komponisten im vergangenem Oktober ist die Inszenierung am Staatstheater Mainz sicher eine der ersten regulären Henze-Produktionen des Repertoire-Betriebs. Wie stellt sich das Werk im Kontext heutzutage dar? Angenehm zurückhaltend und unaufgeregt, könnte man sagen, nicht vereindeutigt in einer missionarischen oder betroffen Weltbildsicherheiten absondernden Weise. Henzes Faible für Diktaturen in Kuba oder der DDR hin oder her: In der Profession als Künstler war das einer, der der Kunst eine höhere Bedeutung zusprach, als es jede Art verklanglichte soziale Schmerzens-Ethik haben konnte. Die revidierte Fassung aus dem Jahr 1991, die jetzt in Mainz über die Bühne ging, hat daran nichts geändert. Kein Anti-Militarismus, keine Vereinfachung in der Transgression einer Welt, die aus traditioneller Sicherheit in die Haltlosigkeit der Moderne umsattelte.

Henzes Musik, das ist die erste gute Nachricht von der Mainzer Premiere, erlebte eine blendende Vergegenwärtigung unter den Händen des Chefs des Philharmonischen Staatsorchesters, Hermann Bäumer. Ein Balanceakt auf dem Grat zwischen einer neu geformten Ton-Ordnung und der fast süffigen Plastizität einer Klang-Dramatik, die wie ein konstruktives Preußentum herb und kalkuliert und doch mit innerem Feuer und Glühen erfüllt erscheinen konnte. Blendend und als wäre es das tägliche Brot der Musiker die Streicher, markant, aber nicht knallig die Bläser-Interventionen sowie Zartheit an vielen Stellen als weitere Verlebendigung eines schwankenden Realitätsgefühls, das traumverloren mit seinen verlorenen Träumen Umgang pflegt.

Eine Klang-Invasion, die sich auf die Bühne ausweitete. Dort hatte Christof Nel im Verein mit Roland Aeschlimann (Bühne) und Barbara Aigner (Kostüme) eine Szene der aufgerissenen Räume geschaffen: Lücken und Zerrüttungen in der Gewandung des Bühnenraums und -bodens als Ort eines Kampfes um die Deutungshoheit dessen, was als real gilt. Das bot meist glänzende regieliche Positionierung, manchmal aber auch den psychologisierenden Zeigefinger. Mit einer kreuzbraven alt-freudianischen Beziehungs-Unterstellung kam da manchmal etwas viel Onkel-Kurfürst-und-Tante-Kurfürstin-Beziehungsdreieckigkeit ins Spiel. Auch fiel das militärische Corps das eine und andere Mal um und raffte sich ziemlich prätentiös wieder auf. Aber keine Preußen-Adler, Hakenkreuze oder Bundeswehreinsätze nirgendwo – man konnte sehr zufrieden sein.

Schließlich die Sänger: brillant Alexander Spemann als Friedrich Wilhelm, Vida Mikneviciute als Prinzessin Natalie und Christian Miedl als Prinz Friedrich. Auch der Rest der Truppe: erstklassig!

Staatstheater Mainz: 16., 22. Januar. www.staatstheater-mainz.com

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Ressort

Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen.

Dossier

Rezensionen des FR-Feuilletons zum Bücherherbst 2014.

Fotostrecken
Bambi 2014: Die Hin- und Weggucker

Ist sie frisch aus dem Dschungel entkommen? Nein, das soll wohl so. Das österreichische Model Larissa Marolt präsentiert - Mode. Mehr in unserer Fotostrecke: Die Hin- und Weggucker der Bambi-Verleihung.

Außerdem:
Fotostrecke: Die Bambi-Preisträger in Bildern
Fotostrecke: Prominente auf dem roten Teppich
Fotostrecke: Diese Preisträger standen schon fest

TV-Kritik
Anzeige
Videonachrichten Kultur
Kulturgeschichte
Karl, der Große

Karl der Große, geboren 748, beherrschte ein Reich, das vom Atlantik bis zur Elbe reichte, von der Nordsee bis Rom. FR-Feuilleton-Chef Christian Thomas beschreibt seine Herrschaft, die Reformen, seine Rolle als Gotteskrieger, die Bedeutung für Frankfurt - und nicht zuletzt derjenigen für Europa.

Teil 1: Bedeutender Mann im Gegenlicht
Teil 2: Sagenhafte Anfänge
Teil 3: Gewalt als Gottesdienst
Teil 4: Die Geschichte mit Karl

Oper
Ganz so schick wie bei den prominenten Vertretern unserer Spezies muss es dann doch nicht immer sein.

Hustenanfälle, Papierknistern, Opernglas ja oder nein - ein kleiner Ratgeber für den gelungenen Opernbesuch.

Kino: Neustarts
FR-App und E-Paper

Bei uns bekommen Sie das neue iPad Air von Apple im Paket mit der preisgekrönten FR-App - einschließlich aller FR-Ausgaben im Layout der Zeitung als E-Paper.

Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Medien
Buchtipps
Anzeige
- Informationen finden, um die Main Metropole Frankfurt entdecken und erleben zu können.
- Fragen & Antworten
- Bei HOH finden Sie Hardware, Computer und aktuelle Software zu günstigen Preisen.
- Kauftipps!