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Theater

15. März 2016

Tanz in Mainz: Tanz aus der Bananenfabrik

 Von Grete Götze
Er will zuerst nicht so recht: Szene aus "Love Me Tender".  Foto: Bohumil Kostohryz

Feine, lustige Choreographien aus Luxemburg in Mainz, zum Abschluss des dortigen Tanzfestivals.

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Da scheinen lustige Choreographen herzukommen, von diesem im Volksmund „Bananenfabrik“ genannten Ausbildungsort für Nachwuchskünstler in Luxemburg, der korrekt „Centre de Création Choreografique Luxembourgeois Trois C-L“ heißt und in dem Tänzer Gratistraining und Residenzen erhalten. So wirkt es jedenfalls nach dem ausverkauften Abend im U17 des Mainzer Staatstheaters, wo Annick Pütz, Giovanni Zazzera und Léa Tirabasso jeweils eine knappe halbe Stunde eigene Arbeiten zeigten.

Äußerst erfrischend, wie hier junge Künstler mal nicht vom im Frankfurter Raum durch William Forsythe verbreiteten Dekonstruieren, vom intellektuellen Bewegungs-Zerlegen beeinflusst sind. Zeitgenössischer Tanz kann auch witzig, statt von sphärischen Klängen von Klaviermusik begleitet sein und auch noch in die Nähe des Handlungsballetts rücken. Und in den beiden Duetten geht es sogar noch um zwischenmenschliche Gefühle!

Zuerst in „Secrets“: Eine Tänzerin sitzt auf einer Truhe, aus der im Laufe der Zeit erst zusammen geknülltes Papier geworfen wird und dann Zazzera entsteigt. Das Paar ringt miteinander, sie liest, was auf dem zerknüllten Papier steht, wird wütend, schleudert ihn auf die Kiste, öffnet dem bis dahin blind Tanzenden die Augen. Es ist ein tänzerisch ausgetragener Konflikt, zu kraftvoller, fließender Bewegung.

Inmitten von Blumen und Erde

Verspielter, jugendlicher dann „Love me tender“ von Léa Tirabasso, in dem ebenjene inmitten von Blumen und Erde auf der ansonsten leeren Bühne sitzt. Offensichtlich verliebt projiziert sie ihr Glück auf ihr tänzerisches Gegenüber, das jedoch zunächst gar nicht mitglücken will. Ulkig dann, wie beide sich langsam ausziehen und er zum Elvis-Presley-Coversong „Only You“ still seine Lippen in ihre Richtung bewegt. Verliebtsein, das ist völlig schwachsinnig, leicht wie schwer, und entzückend selbstironisch gezeigt in diesem Duett von Léa Tirabasso, die auch als Schauspielerin arbeitet.

Am reduziertesten, aber nicht weniger kraftvoll, ist die Arbeit von Annick Pütz, die schon zur zweiten Generation Tänzer der Fabrik gehört, wie Bernard Baumgarten, Leiter des „Trois C-L“, zwischen den Choreographien im Interview mit Tanzdirektor Honne Dohrmann erklärt. Pütz dient in „Hüllen“ ein Nylonkleid mit übergroßem Kragen als spielerisches Gegenüber. Wie eine Larve ist sie zunächst von ihm umhüllt, tanzt sich musiklos aus ihm heraus, steht barbusig da, bis sie am Ende wieder wie im Kokon eingesponnen am Boden liegt.

Es ist ein leichtfüßiger Abschluss des neuntägigen Mainzer Nachwuchs-Festivals. Noch wirkt nicht jede Bewegung gedanklich hinterlegt, aber die Lust der Choreographen am Tanz und ihr Mut, etwas anders zu machen, überträgt sich auf die Zuschauer.

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