Theater

07. Dezember 2009

Tanzstück "wound" von Toula Limnaios: Ein Körper unter den Füßen

 Von Sylvia Staude
Alles ist irgendwie Wunde in der Choreographie von Toula Limnaios, könnte man diesmal sagen, Foto: Cyan

Die Stücke der in Berlin lebenden Griechin Toula Limnaios schweben gern ein wenig frei im Raum. Der Mousonturm ist Koproduzent, so kam "wound" jetzt kurz nach der Uraufführung nach Frankfurt.

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Die Stücke der in Berlin lebenden Griechin Toula Limnaios schweben gern ein wenig frei im Raum, handeln zwar vordergründig von einem Thema, umkreisen es aber weitläufig. Alles ist irgendwie Wunde, könnte man diesmal sagen, denn die neue, einstündige Choreografie heißt "wound" und trägt die Unterzeile "Zwischen Traum und Trauma oder die Wunde des Schmetterlings".

Der Mousonturm ist Koproduzent, so kam "wound" jetzt kurz nach der Uraufführung nach Frankfurt. Auf der Bühnenrückwand laufen Videos, von Schwimmern, einer schemenhaften Frau oder aus alten Schwarz-Weiß-Filmen: holde Mädchen in Not, dubiose Männer (einer von ihnen ist ein Schmetterlingsaufspießer). Davor herrscht Kargheit, ein Goya-Bildband, auf dem Kopf oder vor dem Gesicht getragen, ist so ziemlich das einzige Requisit.

Es fehlt aber an nichts. Denn Toula Limnaios ist sowieso weniger eine Meisterin des roten Fadens (siehe oben), als eine der originellen Bewegungsfindung. Sie dreht und wendet, schüttelt oder rührt, und ein fremder, reizvoller Geschmack entsteht. Ein Tänzer, Clebio Oliveira, wird zum Zwitter aus Pferd und Vogel (oder vielleicht Minotaurus), eine Tänzerin steigt in einer anderen Szene auf ihm herum, zuerst in Pumps, dann barfuß. Kleine, intrikate Bewegungen fügen sich immer wieder zwischen ausgreifendere Ensembles. Oder drei der sechs Tänzer fügen sich zu einer Skulptur, die nie einen Stand-Punkt findet.

Ralf R. Ollertz, treuer Musikbegleiter Limnaios´, hat Sakrales mit Sparsamem gemischt. Manchmal raunt diese Musik arg, manchmal raunen auch die Texte, die die Tänzer hinterm Goya-Buch ins Mikro wispern. Aber in jedem Moment gibt es Spannendes zu sehen, stoßen Bewegungen andere Bewegungen und die Gedanken des Zuschauers an.

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