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The Royal Opera House: Eine Wand. Ein Stuhl. Eine Oper?

Beim hochgelobten Regisseur Christof Loy ist szenischer Minimalismus angesagt. Für die Londoner Royal Opera inszeniert er Alban Bergs "Lulu" als dreiaktigen Diskurs. Von Joachim Lange

Beim hochgelobten Regisseur Christof Loy ist szenischer Minimalismus angesagt. Noch konsequenter als bisher kommen und gehen die Damen und Herren jetzt in London zu Bergs "Lulu" im schlichten Schwarzen oder im grauen Anzug, und wenn's besonders wild wird, dann ist es bei Lulu auch schon mal ein Unterkleid und beim Akrobaten das Unterhemd. Wenn sie nicht an der Reihe sind, drehen sich die Akteure einfach weg, und wenn der alte Medizinalrat (Jeremy White), der Maler und Dr. Schön als Gestorbene hinreichend lange und mit Theaterblut gekennzeichnet an der Rampe lagen, dann stehen sie beim Szenenwechsel einfach auf und gehen. Ansonsten beschränkt sich Loy darauf, eine zwar durchdachte, aber doch aus Raum und Zeit isolierte Personenführung vorzuführen.

Einen gewissen Reiz entfaltet diese Methode aber doch. Vor allem, wenn der Abstieg Lulus zur Straßenhure ohne dick aufgetragenes Theaterelend auskommt und gerade dadurch auf innere Gefährdung verweist. Doch wird das Schema der Auf- und Abtritte und Szenenwechsel vorhersehbar und hat keine Spannung.

Steilvorlage fürs Charisma

Loys Minimalismus geht so weit, dass er die Brisanz des Stückes erst im Mechanischen und dann in der Unverbindlichkeit verliert. Das Bühnenbild von Herbert Murauer setzt auf eine bewegliche, milchglasige Wand im leeren Bühnenraum, und ein Stuhl rückt die Sänger nah an die Rampe und ins rechte Licht ihrer Möglichkeiten. Was für einen charismatisch stimmgewaltigen und artikulationsstarken Sängerdarsteller wie Michael Volle eine Steilvorlage ist, um erst aus seinem Dr. Schön und dann, in spiegelbildlicher Rückkehr, aus dem Mörder Jack the Ripper, eindrucksvolle Rollenporträts zu machen.

Auch Peter Rose bringt für seinen Tierbändiger und Athleten genügend Temperament mit, um der Bühne zu geben, was ihr Regie und Ausstattung verweigern. Beim Alwa des deutschen Tenor-Strahlemanns Klaus Florian Vogt freilich kommen nicht nur seine gestalterischen Grenzen, sondern auch die Einfarbigkeit seiner Stimme zum Vorschein. Obendrein wirken ausgerechnet bei ihm die Sprechtexte eher unbeholfen. Solide ziehen sich Will Hartmann als Maler und Gwynne Howell als Schigolch aus der Affäre. Agneta Eichenholz als Lulu bringt zwar Attraktivität mit, vermag aber deren Vielschichtigkeit nicht über eine gewisse lässige Gleichgültigkeit hinaus zu profilieren und kann auch stimmlich eher das Gefährdet-Zerbrechliche als das Abgründige glaubhaft machen. Jennifer Larmore als Gräfin Geschwitz hat Mühe, sich gegenüber dem Orchester zu behaupten. Zum Glück entfaltet unter Antonio Pappano das Orchester der Royal Opera Suggestionskraft und lässt die dunkel leuchtende Schönheit von Alban Bergs Musik aufblühen.

The Royal Opera House, London:

20. Juni. www.roh.org.uk

Autor:  JOACHIM LANGE
Datum:  20 | 6 | 2009
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