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Theater

12. November 2012

Theater am Kudamm: Verrostet und verfahren

 Von Irene Bazinger
Jar nüscht passiert: Martin Woelffer hat Hans Falladas Roman inszeniert. Foto: Thomas Grünholz

„Der eiserne Gustav“ geht im Theater am Kudamm komplett pleite.

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Berlin –  

Zwei Monate brauchte der historische Gustav Hartmann, als er 1928 mit seiner Pferdedroschke von Berlin nach Paris fuhr. Er wollte gegen die aufkommende Autoindustrie demonstrieren, die sein Gewerbe in Form von Taxen verdrängte, und er wollte, dass sich Franzosen und Deutsche zehn Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs nicht länger als Feinde betrachteten.

Hans Fallada schrieb über ihn seinen 1938 veröffentlichten Roman „Der eiserne Gustav“, den Peter Lund für die Bühne dramatisierte. Die Uraufführung fand nun im Theater am Kurfürstendamm statt. Als kleine erzählte Rückblenden sind in die Spielhandlung Eindrücke von dieser legendären Fahrt eingestreut.

Es passiert "jar nüscht"

Ach, Paris! Großes, buntes, strahlendes Paris – und so schön weit weg! Immer stärker beginnt man sich nach Paris zu sehnen und an ein kaltes Glas Champagner zu denken, an eine heiße Bouillabaisse, sogar an Baskenmützen, den Eiffelturm und Napoleon – an jedes falsche Klischee und an jede echte Verheißung, nur um nicht wahrhaben zu müssen, was da vorne im altdeutschen Bühnenbild von Mike Hahne passiert: nämlich gar nichts! Oder „jar nüscht“, wie es im launig berlinernden Dauerplauderton des Abends heißt. Nein, „heeeßt“.

Wie eine labberige Gutenachtgeschichte walzt der Regisseur Martin Woelffer, der den Nachweis seiner Profession hier komplett schuldig bleibt, Szenen aus dem Leben des Gustav Hartmann aus. Fallada hatte ihn Hackendahl genannt und den „Eisernen“ durchaus kritisch gezeichnet. Denn der sture Patriarch will nicht bloß Kutscher und Pferde, sondern in derselben Manier auch seine vier Kinder herumkommandieren. Er ist für Zucht und Ordnung und merkt nicht, wie er die Familie zerstört. Mal ironisch, mal bitter hört man das mitunter, aber sehen tut man davon nichts. Gustav verliert sein Vermögen, stilisiert sich als letzter Droschkenkutscher zur Touristenattraktion, legt sich mit allen an – doch auf der Bühne geht es stets im gleichen Trott weiter.

Die Darsteller üben sich in – eiserner? – Reglosigkeit, wenn sie nicht gerade sprechen, und wenn sie sprechen, tut sich auch nicht viel. Schon gar nicht bei Walter Plathe, der wie eine Statue des Rollenvorbilds seinen Zylinder und seinen Kutschermantel herumträgt. Er spielt nicht, er lässt sich behäbig wirken. Dagmar Biener als „Muttern“ passt sich ihm an. Die anderen haben gegen diesen Doppelprellbock keine Chance, dabei könnten es Anja Pahl als Schneiderin und als Mademoiselle, Henrike von Kuick als leichtes Mädchen, Felix Maximilian als Schieber und vor allem Björn Harras als jüngster Sohn garantiert besser.

Das interessiert hier allerdings keinen – ein schlimmer Fehler, wie die gesamte Inszenierung.

Der eiserne Gustav bis 6. 1. 2013, Theater am Kurfürstendamm, T.: 030 / 88 59 11 88

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