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Theater

09. Januar 2013

Theater: Krokodil knutscht Vogel

 Von Sylvia Staude
Die Performer Verena Billinger und Sebastian Schulz liegen höchstselbst auf der Bühne.  Foto: Florian Krauß

Sie lernen einander kennen, sie arbeiten und leben zusammen, sie leben sich auseinander, indem sie nämlich immer weniger Zeit füreinander finden. So könnte es gewesen sein, ganz egal, wie es wirklich ist zwischen den beiden in Verena Billingers und Sebastian Schulz’ Beziehungsstück „First Life – ein Melodram“

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Ein bisschen wird auch geküsst in Verena Billingers und Sebastian Schulz’ „First Life – ein Melodram“, allerdings bei weitem nicht so ausufernd wie in ihrer Arbeit „Romantic Afternoon“, bei der drei Paare dauerküssten. Diesmal stellen sich Billinger und Schulz höchstselbst auf die Bühne und erzählen von ihrer Beziehung ... aber halt, erzählen sie von ihrer Beziehung? Bald merkt man, dass die Angaben in den sich jeweils ähnlich wiederholenden Formulierungen variieren: „Tatsächlich“ waren sie drei Jahre zusammen und sind nun schon länger getrennt, „tatsächlich“ sind sie seit neun Jahren zusammen, „tatsächlich“ waren sie nie ein Paar. Alles Theater, also.

Es ist aber gar nicht wichtig, welche dieser Behauptungen stimmt. Es geht um Liebe und ihre Krisen, um den Beginn und das Ende einer Beziehung in dieser einstündigen Produktion, die jetzt im Frankfurter Mousonturm gastierte. Und mag auch alles erfunden sein, so wirkt der Auftritt der beiden Performer, Tänzer, Choreografen doch sehr persönlich und intim. Und das liegt nicht nur am kleinen Rahmen der Studiobühne.

Verena Billinger und Sebastian Schulz kommen nackt herein und ziehen sich Teil für Teil an. Dann stehen sie vor Mikros, Abstand bleibt zwischen ihnen, und sprechen den zum Teil fast identischen Text. Beschreiben sich etwa gegenseitig mit Hilfe von Tieren – „er hat den Rücken eines Krokodils“, „sie hat die Augen eines Vogels“ –, was einerseits Vertrautheit belegt, andererseits eine gewisse Distanz der Wahrnehmung.

Sie lernen einander kennen, sie arbeiten und leben zusammen, sie leben sich auseinander in typischer Weise, indem sie nämlich immer weniger Zeit füreinander finden. So könnte es gewesen sein, ganz egal, wie es wirklich war und ist zwischen den beiden.

Das Mitgeteilte färbt den Tanz, den sie im zweiten Teil zeigen. Wenn sie langsam übereinander steigen oder rollen, wenn sie im Einklang hüpfen zu Leonard Cohens „Dance me to the end of love“, meint man zu sehen, wie gut sich diese Körper kennen. Raffiniert bedienen die zwei jungen Performer das Verlangen nach Authentizität.

Öde war ein zweites Stück an diesem Abend: In „Grand Slam“ von Rotterdam Presenta lud sich gar nichts mit Bedeutung auf. Schiedsrichter-Stühle wurden geschoben, Posen eingenommen hinter einer sich rhythmisch öffnenden und schließenden Jalousie. Weder hatte die Choreografie Pfiff, noch wurden „die Mechanismen des Sports“ sichtbar.

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