Die mäßig subtile Ironie der Geschichte bringt es mit sich, dass jene, die dem Rechtsstaat misstrauen, auch Vorwürfen zu Ungereimtheiten im Fall des Mordes an Generalbundesanwalt Siegfried Buback - also einem der obersten Vertreter dieses Rechtsstaats - rasch Glauben schenken werden. Zumindest werden sie sich die Vorwürfe interessiert anhören, vielleicht auch das Buch des Sohnes Michael Buback kaufen, in dem dieser unter dem Titel "Der zweite Tod meines Vaters" die Vorwürfe darlegt. Sie werden dadurch nicht falscher, dass ein Betroffener sie vorbringt. Zumal die Gegenseite, der Rechtsstaat, ebenfalls betroffen ist.
Dass Regisseur und Autor Wolfgang Spielvogel und sein Frankfurter Autoren Theater in dem Stück "Buback" nun Michael Bubacks Sicht und fast nur ihr Raum geben, ist insofern mitnichten so brisant, wie es vorab scheinen mochte. Auch Talkshow-Zuschauern ist sie bereits weitgehend bekannt (vor wenigen Tagen erst war ein Teil der Figuren aus dem Stück bei Anne Will zu Gast). In "Buback" werden sie in kurzen Szenen von Erich Schaffner und Ricarda Klingelhöfer als Michael und Elisabeth Buback noch einmal entwickelt. Ein gigantischer Telefonhörer an der Wand der kleinen Brotfabrik-Bühne (Ausstattung: Nicole Horny) symbolisiert dabei die Wichtigkeit des Anrufs von Ex-Terrorist Boock, der Verena Becker als Buback-Mörderin ins Spiel brachte. Zeitungsleser werden sich zurechtfinden.
Aber Spielvogel will natürlich mehr, will halten, was der Titel verspricht, eine Geschichte über Michael Buback selbst erzählen, vielleicht gar ein Psychogramm entwerfen über einen Sohn, der misstrauisch geworden ist und nicht mehr aufhören kann damit. Aber hier kommt das Stück nicht weiter. Einerseits ist Bubacks Interesse an einer tatsächlichen Aufklärung des Falls viel zu begreiflich und greifbar, um uns staunen zu machen. Andererseits zeigt "Buback" die Bubacks als glückliches Ehepaar, treusorgend gegenüber der alternden Mutter (zart und scheu gespielt von Brigitte Korn), einem Schnäpschen nicht abgeneigt. Schaffner bleibt ein sympathischer, eher sturer als brüchiger Held im bürgerlichen Idyll. Beides gibt es, es geht nicht darum, dass das unglaubwürdig wäre. Aber es ist nicht interessant, sondern lediglich eine gewisse Indiskretion, die nicht unter die Haut geht. Dass Buback und seine Familie im Publikum saßen, machte das nicht besser. Dass sich Spielvogel an seiner Figur nicht reibt, sondern ihr Gerechtigkeit zuteil werden lassen will, ist ehrenhaft, künstlerisch aber geht das am Ende ins Leere. Ein Buback-Satz wie "Das sind doch zweitklassige Leute, von denen lass ich mich doch nicht unterkriegen" wäre nur doppelbödig, wenn man ihn so spielen wollte.
Um das Paar herum werden die wurschtigen Beamten zu Fratzen (manchmal auch mit ihrem eigenen Gesicht). Nach der Pause kommen zagende Zeugen und knochenharte Konservative zur Wort (brillant die Szene mit Ulrich Rügner als Generalbundesanwalt a.D. Zeis). Gegen seine Gewohnheit verliert Regisseur Spielvogel gegen Autor Spielvogel aber das Spiel um das Zeitgefühl und beendet den Abend erst, als schon länger alles gesagt ist.
Brotfabrik Frankfurt: 28. November, 4., 5., 12., 13., Dezember. www.frankfurter-autoren-theater.de