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Theater

26. November 2012

Theaterperipherie im Titania Frankfurt: Deutschland, Allah, Deutschland

 Von Marie-Sophie Adeoso

Die Theaterperipherie Frankfurt lotet mit dem Stück „Radikalextrem2“ Parallelen von Neonazis und Islamisten aus. Das Publikum wird dabei mit einbezogen - bis zur Schmerzgrenze.

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Fritz und Hassan mögen sich nicht. Der eine geht zu seinen Kameraden ins Hesseneck, der andere zu seinen Brüdern in die Moschee. Dort aber begegnen ihnen die gleichen Parolen: „Du bist nichts, dein Volk ist alles.“ – „Du bist nichts, deine Religion ist alles.“ – „Schwule sind pervers.“ – „Todesstrafe für Kinderschänder.“
Inspiriert von den anti-israelischen Aufmärschen zum einst vom iranischen Ayatollah Khomeini gegründeten Al-Quds-Tag, zu dem sich seit Jahren international eine Allianz aus Islamisten und Rechtsextremisten im Judenhass vereint, hat die Frankfurter Theaterperipherie das Stück „Radikalextrem2“ erarbeitet. Unter Regie von Theaterleiter Alexander Brill loten Dafne Altun, Miro Kania, Hadi Khanjanpour, Tanja Ronaghi und Florian Stamm die Parallelen zwischen rechten und islamistischen Extremisten aus: Anti-Amerikanismus und Antisemitismus, Ablehnung von Demokratie und Geschlechtergleichheit, Hierarchie und Gewaltbereitschaft. Am Ende ist es unerheblich, ob sie „Deutschland, Deutschland“ singen oder „Allah, Allah“.

Aggression springt aufs Publikum über

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In der zweistündigen assoziativen Collage ohne festgelegte Rollen entlarvt das Ensemble wahlweise Klischees oder suhlt sich in ihnen. Ständige Selbstreflektion und ironische Brechung der eingenommenen Positionen dienen dabei als doppelter Boden, der allzu holzschnittartige Interpretationen geschickt abfedert.
Als die Schauspieler etwa das Publikum auffordern, per Klatschen über die Eigenschaften der darzustellenden Figuren abzustimmen, legen sie das Klischee triumphierend in die Hände der Premierengäste. Die werden ohnehin bis an die Schmerzgrenze einbezogen. Müssen Fußball- und Ballermannhymnen mitsingen, bis das „Sieg Heil“ im Halse stecken bleibt. Werden in Wortkaskaden als „Wutbürger“ oder „Petitionen-auf-Facebook-Anklicker“ verspottet. Und als die Darsteller schließlich einzelnen Zuschauern „Ich bin scheiße“-murmelnd die Füße küssen, überträgt sich die latente Aggression von der Bühne aufs Publikum: „Es reicht“, ruft ein Gast und spricht von „schlechtem Theater“ – „dann geh doch“, schimpft ein anderer zurück.

Verbale Mittel und Videoelemente

Unterstützt von live eingespielten Videoelementen, greifen die jungen Darsteller vorwiegend auf verbale Mittel zurück. Gezielte Provokation und diskursive Auseinandersetzung mit Gegenwartsdebatten vom NSU-Debakel bis zur salafistischen Koran-Verteilaktion, verharren dabei oft in reiner Zustandsbeschreibung. In der Interaktion mit dem Publikum tritt gleichwohl überzeugend deutlich zutage, wie die gesellschaftliche Mitte den Extremismus an ihren Rändern nährt.

Theaterperipherie im Titania, Frankfurt: 29. November, 9., 11. Dezember. www.theaterperipherie.de

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