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Theater

11. November 2012

Theaterpreis „DER FAUST“: Alle kennen sich, keiner stört

 Von Dirk Pilz
Auch Matthias Lilienthal gehört zu den Gewinnern von dem „Der Faust“.  Foto: dpa

Der Theaterpreis „DER FAUST“ wurde in Erfurt verliehen

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Früher war es schlimm. 2005 zum Beispiel. Jan Bosse hat damals am Hamburger Schauspielhaus einen tollen „Faust 1“ gemacht (mit Joachim Meyerhoff und Edgar Selge im umgebauten Zuschauerraum!) und Michael Thalheimer am Deutschen Theater Berlin „Faust 2“ (mit Musik von Led Zeppelin!).

Auch in Stuttgart haben sie einen frischen „Faust“ herausgebracht, 28 Jahre nach dem letzten Stuttgarter „Faust“, den von Claus Peymann. Der hatte 1977 Premiere, noch früher. Noch finsterer. Denn bis 2006 gab es in Deutschland keinen „nationalen Theaterpreis, der auf die große Leistungskraft der Theater in besonderer Weise aufmerksam macht und diese würdigt“. Das ist schlimm. Peymann, Bosse, Thalheimer – alle nicht in besonderer Weise gewürdigt früher. Traurig war das.

Deshalb hat sich der Deutsche Bühnenverein, also der Lobbyclub der Stadttheater, den Theaterpreis DER FAUST ausgedacht, nur gültig in Großbuchstabenschreibweise. Er wird seit 2006 verliehen. Ein toller Preis. Erstens ist er undotiert – vollkommen verständlich, die Theaterheinis haben eh genug Knete, wozu also ein Preisgeld? Zweites wird er, wir zitieren, auf „Grundlage“ von „Vorschlägen der Theater“ ermittelt, „es ist also ein Preis der Theater für ihre Künstler“. Aber Mauschelei gibt’s da natürlich nicht, denn ein Theater darf keine eigene Produktion vorschlagen, eine Inszenierung des eigenen Hausregisseurs zum Beispiel – wenn der woanders was gemacht hat, allerdings schon. Aber sei’s drum.

Das Publikum hat nix zu melden

Sicherheitshalber wählt jedenfalls erst eine Jury aus „künstlerischen Sachverständigen“ die Nominierten aus, und dann küren die Mitglieder der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste die Preisträger. Das Publikum hat, logisch, nix zu melden, denn das Publikum wäre ein gar zu windiger Juror. Womöglich schlägt es etwas vor, das die „Leistungskraft des Theaters“ nicht ordentlich würdigt! Wo kämen wir da hin! So aber – kann nix schief gehen. Und dann die tolle Festveranstaltung jedes Jahr! Mit ganz viel Glanz und Theaterbetriebspromis! Alle kennen sich, keiner stört!

Dieses Jahr ward in Erfurt gefeiert. Hier die Preisträger: Burghart Klaußner wurde als bester Darsteller ermittelt, und zwar für seine Rolle als Willy Loman in „Der Tod eines Handlungsreisenden“ am St. Pauli Theater Hamburg. Martin Kušej ist der Sieger unter den Schauspielregisseuren, Sergio Morabito und Jossi Wieler wurden in der Sparte Musiktheaterregie gewählt, Martin Schläpfer schaffte es zum Klassenprimus unter den Choreografen, Barbara Bürk im Jugendtheater. Tankred Dorst und Ursula Ehler wurden für ihr Lebenswerk geehrt, Matthias Lilienthal erhielt den Sonderpreis des Präsidenten des Bühnenvereins. Wir gratulieren!

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