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Uraufführung von "Liebe.Tod.Teufel": Menschen-Affen in Rätselland

Über weite Strecken bewegen sich Ben J. Riepes Darsteller in dem in Frankfurt als Uraufführung gezeigten "Liebe.Tod.Teufel" langsam, wie bei einem Ritual. Da wird die Kreatur beschworen. Von Sylvia Staude

Wann denn nun Tanz käme, fragte nach geraumer Zeit eine ältere Dame flüsternd ihren Nachbarn. Vielleicht war sie von der Tatsache in den Mousonturm gelockt worden, dass Ben J. Riepe an der Folkwang-Hochschule ausgebildet wurde und Gasttänzer war im Ensemble Pina Bauschs. Von deren elegischem Schwung aber ist Riepes choreografische Sprache in der Tat weit entfernt. Über weite Strecken bewegen sich seine Darsteller in dem in Frankfurt als Uraufführung gezeigten "Liebe.Tod.Teufel" langsam, wie bei einem Ritual - einem sehr mysteriösen. Sie erstarren in eckigen, unbequemen Stellungen. Sie fügen sich Unangenehmes zu, reizen etwa mit einem Mikro ihren Gaumen, bis sie würgen und speicheln, dass es auf den Bühnenboden tropft. Dabei trägt der Akteur schwarzen Anzug und Hut und verzieht (möglichst) keine Miene.

Bei Ben J. Riepe wird die Form gewahrt, mögen auch die seltsamsten Dinge sich ereignen. Aber vielleicht wundern sich die Mutanten, die er auf die Bühne stellt, auch über gar nichts mehr: Menschen-Rehe, -Hasen, -Affen vollführen so fremdartige Bewegungen, als habe man sie längst auch noch mit Robotern gekreuzt. Alice im Rätselland.

Stöckel und bloßer Oberkörper

Gerade im Mousonturm war oft schon zu sehen, dass mit gutem altem Tanz, das heißt mit hübsch fließender Bewegung in einem Tanzstück nicht mehr gerechnet werden darf. Einige Kollegen Riepes lieben es in jeder Hinsicht minimalistisch, das kann man von ihm nicht sagen. Die Kostüme und Masken (Anna Kleihues) haben beträchtlichen Schauwert, die Damen tragen Stöckelschuhe und manchmal nackten Oberkörper, die Musik schwelgt, ein Hirsch schaut dem Treiben zu.

Und die Choreografie selbst ist anspruchsvoll, wenn auch sparsam. Wie sich zwei Tänzerinnen wiederholt im Lotussitz verknoten, auf den Bauch legen und ihren Unterkörper zu einer Art breitem Fischschwanz machen, ist sensationell. Und auf ungewohnte Art poetisch. Überhaupt steckt immer wieder Poesie in den Bildern, die einerseits voller Künstlichkeit und Zeremoniell sind, andererseits schon durch die Tiermasken über Menschenkörpern diffuse Gefühle wecken.

"Liebe.Tod.Teufel - Das Stück" entstand jetzt als Destillat aus einem fünfteiligen Werk Riepes, einer "Aktion: üben Schönheit zu sehen". Unterschiedliche Kunstformen gehörten dazu, eine Installation auch, und man merkt, dass Riepe (wie viele Choreografen) sich öffnet für bildende Kunst, für Film. Und vielleicht spielte ja auch seine Zusammenarbeit mit chinesischen Künstlern eine Rolle, er hat teilgenommen an dem Projekt "Chin-A Moves" vom Tanzhaus nrw. Die Formstrenge und Präzision asiatischen Theaters und Tanzes könnte die Choreografie beeinflusst haben.

Ihr Titel ist ein wenig pompös, der Teufel nicht zu entdecken, der Tod zuletzt etwas an den Haaren herbeigezogen: Eine Akteurin insistiert, sie habe keine Angst vor ihm. Aber die Riepe´schen Misch-Kreaturen faszinieren, ob sie nun tanzen oder nicht.

Autor:  Sylvia Staude
Datum:  27 | 10 | 2009
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