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Volkstheater: Die Dessous von Eschebärsch

Für Martha ist das Leben zu Ende. Weil sie nicht mehr weiß, was sie noch soll. Oder sich nicht getraut, was sie will: "Altweiberfrühling" in Frankfurts Volkstheater. Von Christoph Schröder

Immer wieder mal legt Martha Jost sich einfach so zum Sterben hin. Weil sie nicht mehr will. Ihr Mann ist vor einem Jahr gestorben; seitdem gammelt die Gemischtwarenhandlung so vor sich hin, und Martha weiß nicht, warum sie noch weitermachen sollte. Dabei ist sie gerade erst siebzig Jahre alt - angesichts des aktuellen medizinischen Standes beginnt da gerade einmal das Seniorenalter.

Für Martha dagegen ist das Leben hier, in Lau-Eschenberg (sprich: "Lau-Eschebärsch"), zu Ende. Weil sie nicht mehr weiß, was sie noch soll. Oder sich nicht getraut, das zu tun, was sie will.

Das Stück

Volkstheater Frankfurt: bis 16. Januar.

www.volkstheater-frankfurt.de

Genau darum geht es in "Altweiberfrühling", einer Komödie des Österreichers Stefan Vögel, die nun in der mundartlichen hessischen Bearbeitung von Wolfgang Kaus und unter der Regie von Sylvia Hoffman im Frankfurter Volkstheater eine vom Publikum bejubelte Premiere feierte: Um Träume, die man sich erfüllt oder nicht. Und darum, dass die Erfüllung nichts mit dem Geburtsjahrgang zu tun haben muss. "Am liebsten täten die uns alle abschalten wie einen Radiowecker", heißt es. In diesem komödiantischen Rahmen gelingen der Inszenierung erstaunliche Momente, in denen die Verzweiflung und die Traurigkeit der Einsamkeit durchschimmern, was vor allem dem Mienenspiel von Anette Krämer zu verdanken ist, das der Figur der Martha Jost Mehrdimensionalität verleiht.

In erster Linie jedoch soll das Ganze Spaß machen. Für den sorgen die drei komischen Alten: Marthas Freundinnen, die ihr, der gelernten Schneiderin, den Lebensmut zurück geben und sie ermuntern, gegen alle Widerstände der Provinz in Lau-Eschebärsch einen Dessous-Laden zu eröffnen. Lissy (Ilona Wiedem) ist die schrille, ausgeflippte Exotin, die angeblich lange Jahre in Amerika gelebt hat (auch das eine Geschichte von geplatzten Träumen), Frieda (Brigitte Goebel) die vermeintlich vornehm zurückhaltende ältere Dame, Hanni (Margit Sponheimer) schließlich die handfeste Bauersfrau mit scharfem Verstand, deren perfider Sohn Fritz (Detlev Nyga), Bürgermeister des Dorfes, gemeinsam mit Marthas Sohn Walter, dem Pfarrer, die Geschäftspläne des Seniorinnen-Quartetts zu hintertreiben versucht.

Der Dessousladen wird selbstverständlich eine Erfolgsgeschichte. Die Alten haben den Jungen ihre geistige Provinzialität unter die Nase gerieben. "Die Welt", sagt Hanni, "hört net am Ortstand uff. Des merk isch erst, seit isch in der Fahrschul´ bin." Auch das eine Erkenntnis.

Autor:  Christoph Schröder
Datum:  9 | 11 | 2009
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