Es war einmal vor 22 Jahren im Volkstheater Frankfurt, da spielte Walter Flamme den Hofbesitzer Jakob im Volksstück "Heilig' Blitzje". Jetzt entspringt der nunmehr 83-jährige Flamme noch einmal der Truhe, in die sein Neffe Hugo (Steffen Wilhelm) und seine Nichte Elsbeth (Silvia Tietz) ihn gehievt haben. Diesmal nicht mehr unter der Regie des langjährigen künstlerischen Leiters des Volkstheaters, Wolfgang Kaus, sondern von Natascha Retschy.
Die Handlung ist aber noch dieselbe: Hugo und Elsbeth wollen das Testament ihres Onkels fälschen, damit er ihnen und nicht Enkelin Bärbel (Julia Schneider) seinen Bauernhof vermacht. Um an Geld zu kommen, linken sie sogar den Notar (Thomas Koob). Da ist nur ein Problem: Das Herz des "unumschränkten Herrschers", wie Sigi (Dennis Pfuhl) den Opa seiner Liebsten nennt, hat noch nicht "ausgebumbert". Dabei fragt Knecht Michel (Horst Krebs) ihn doch extra: "Biste tot?"
Vom "Säumist" berauscht
Eigentlich wollte Karl Wittlinger in den achtziger Jahren 13 kleine Geschichten für das Vorabendprogramm im Fernsehen schreiben. Heraus gekommen ist dann aber eine bissige Familienkiste, die Wolfgang Kaus ins Hessische gebracht hat. Dann klingt es etwa so, wenn Hugo und der Knecht Meinungsverschiedenheiten austauschen: "Wenns nischt von wegge de´ Piedäd wär´, isch dädd Dir uffs Maul hauen."
Es kommt aber noch schlimmer: Hugo rennt mit dem Fleischermesser hinter Michel her. Der flüchtet daraufhin mit Pfeife in die Auferstehungs-Truhe. Opa Jakob guckt inzwischen seiner Enkelin durchs Schlüsselloch beim Vögeln mit Sigi zu - der Ökologiestudent aus dem hohen Norden ist nämlich ganz berauscht vom "Säumist", in dem Michel seine Arthritis-Füße gebadet hat. Damit Gott auch seinen Platz findet auf dem Bauernhof, wird ein Rosenkranz gebetet, falls es mit dem Morden nicht klappen sollte. Irgendwann trachtet fast jeder mal jedem nach dem Leben. Und es wird nachgeholfen, wenn das "Heilig´ Blitzje" nicht von alleine in den Bauernhof einschlägt, damit die Versicherung zahlt.
Zum Lachen gibt es also genug Gelegenheit. Aber eigentlich ist das Stück von Karl Wittlinger keine makabere Volksposse, sondern ein Märchen: es gibt die Prinzessin (die Enkelin Bärbel), den Hof-Retter aus dem Norden, den Knecht, den Weisen, die Bösen und ein bisschen Magie. Und so entlässt das Volkstheater mitten im Bankenviertel den dankbaren Zuschauer nach vergnüglichen zwei Stunden mit klaren Moralvorstellungen: Am Ende siegen die Guten, die Bösen werden bestraft. Und die Moral von der Geschicht´: Geldgierig sein lohnt sich nicht.
Volkstheater Frankfurt: bis 30. April. www.volkstheater-frankfurt.de