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Theater

09. Februar 2015

Wiesbaden "Onkel Wanja": Dafür spielt er aber Posaune

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Onkel Wanja lässt sich am Staatstheater Wiesbaden ziemlich hängen.  Foto: Andreas Etter

Das Staatstheater Wiesbaden mit einem doch äußerst verhaltenen „Onkel Wanja“ in der Regie von Ingo Kerkhof.

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Onkel Wanja ist heute Abend ein Mann mit wenigen Eigenschaften, vielleicht spielt er darum zwischendurch Posaune. Eine seltsame Szene, es ist, als müsste sich Onkel Wanja etwas Gehör verschaffen, aber er hat dann nichts zu sagen und spielt auch nicht besonders gut. Es ist mehr ein Herumbellen in einer Inszenierung, die kaum zurückhaltender sein könnte. Sie ist so zurückhaltend, dass sie nicht einmal direkt still ist. „Onkel Wanja“ ist heute Abend auch eine Inszenierung mit wenigen Eigenschaften.

Am Staatstheater Wiesbaden führt, nach dem „Baumeister Solness“ zum zweiten Mal, Ingo Kerkhof Regie. Auch Ibsen hatte einerseits als Schauspielertheater gereizt, war dann aber andererseits schon wieder fast zu karg, zu wenig gewesen. Purismus und Lahmheit sind nahe Verwandte, auch der Einfallslosigkeit. Auch bei Tschechow imponiert der Purismus und rückt doch die Darsteller in einem Ausmaß in den Mittelpunkt, dass sie zum Teil etwas ratlos dort herumstehen. Und also in eine Posaune blasen.

Es gibt einiges russisches Dekor, offen bleibt allerdings, ob da Ironie mitschwingt: Der Samowar steht jedenfalls bereit, ein größeres Gurkenglas war vermutlich nicht aufzutreiben, dazu eine ebenbürtige Portion Soleier. Wyssozki singt vom Plattenspieler (also, es wird so getan, als würde Wyssozki vom Plattenspieler singen). Auf groben Brettern steht wenig mehr als ein Tisch, auf die Rückwand der Bühne ist ein Stück Birkenfototapete aufgeklebt (Bühne: Dirk Becker). Heutig und wie zur Probe dagegen die Kostüme (Inge Medert): als sollten sie so wenig wie möglich signalisieren.

Und Muhammad Ali schaut er sich in der Glotze an

Die Wand schiebt sich von Akt zu Akt weiter nach vorne. Mit der Nähe und Enge gewinnt auch die Situation etwas an Intensität. Roland S. Blezinger, der in Jelineks „Rein Gold“ ein idealer Wotan war, bleibt als Wanja letztlich blass. Zum Posaunenspiel kommt ein unausgesprochenes Faible für eine Muhammad-Ali-Videokassette, die in einer Dauerschleife erst in einem nicht weiter definierten Plastikplanenunterstand abgespielt wird. Nachher, wenn es eng geworden ist, steht der Fernseher vorne am Bühnenrand. Lose Assoziationen sind möglich (der vage Afrikatraum im Stück; der gehobene Zeitvertreib, für den einst Muhammad Alis Kämpfe allemal taugten), führen aber nicht in den Kern der Dinge.

Auch um Blezinger herum ist das Spiel lapidar und verhalten. Tom Gerber als Arzt ist auch trunken noch recht stabil. Die Hose herunterzulassen, bietet keinen Seeleneinblick. Ganz missraten ist Kerkhofs Umgang mit Wanjas wirr intellektueller Mutter, die Evelyn M. Faber als verkniffenen Miesepeter spielen muss. Judith Bohle als schöne Elena leuchtet als reine Projektionsfläche ein, aber man denkt natürlich trotzdem, dass da mehr sein müsste. Janina Schauer wechselt skurrilerweise von der hinreißenden Hilde im „Solness“ nahtlos zur reizlosen Sonja, das Licht muss etwas tun, diese Reizlosigkeit klarzustellen. Auch sie wird im Sommergewitterregen klitschnass.

Denn immer wieder bekommen die Figuren ein wenig Hilfe an die Hand, aber es sind äußere Hilfsmaßnahmen in einer szenischen Ausgangssituation, bei der das Ensemble alles aus sich heraus entwickeln müsste. Wie Monika Kroll es macht, indem sie redet, wie der Kinderfrau der Schnabel gewachsen ist. Wie Rainer Kühn als scheuer und vergnügter Telegin am Rande. Wie Uwe Kraus, der perfekte stumpfe Egoist. Auf ihre Weise ist die Inszenierung eine Gratwanderung, aber nicht in schwindelnder Höhe.

Staatstheater Wiesbaden: 12., 16., 18., 22., 25. Februar. www.staatstheater-wiesbaden.de

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