kalaydo.de Anzeigen

Kolumne zu Spendenversprechen: Gutes tun

Gates und Buffett sind durch ihre Spendenfreudigkeit zu Ansehensmilliardären geworden. Während ein armer Professor vor einiger Zeit eine Revolution der gebenden Hand ausrief, gescholten wurde.

Bill Gates und Warren Buffett (r) sammeln Spenden: Wer in dem exklusiven Club Mitglied sein will, muss mindestens 50 Prozent seines Vermögens abgeben.
Bill Gates und Warren Buffett (r) sammeln Spenden: Wer in dem exklusiven Club Mitglied sein will, muss mindestens 50 Prozent seines Vermögens abgeben.

Die frühen Formen der Mildtätigkeit waren auf Kinder ausgerichtet. „Lernet Gutes tun“, heißt es im Alten Testament bei Jesaja (1,17), „trachtet nach Recht, helft den Bedrückten, schaffet Recht der Waise, führet der Witwe Sache.“ In dem biblischen Appell war der Sozialstaat angelegt. Witwen und Waisen waren nicht nur bedroht, wenn sie arm waren. So klagt Ambrosius von Mailand (340 – 397 n. Chr.), dass nicht nur die Armen, sondern auch die Reichen Kinder aussetzen, um eine Zersplitterung ihres Erbes zu verhindern. Trotz aller Sanktionen, so der Kirchenhistoriker Claus Veltmann, blieben Kindesaussetzungen häufig, so dass ab dem fünften Jahrhundert in größeren Städten wie Arles, Macon und Trier Marmorbecken an Kirchen angebracht wurden, in die Kinder, derer man sich entledigen wollte, hineingelegt werden konnten.

Solche Einrichtungen haben Leute wie Bill Gates und Warren Buffett nicht nötig. Kinderreichtum könnte ihr Vermögen nicht beeinträchtigen. Wenn sie die Hälfte spenden, wittern Neidverdächtigte einen ganzen Strauß von Motiven. Gates und Co sind auch Ansehensmilliardäre, während ein armer Professor wie Peter Sloterdijk, der vor einiger Zeit eine Revolution der gebenden Hand ausrief, gescholten wurde. Seine Idee, den Steuerstaat zum Spendenstaat umzubauen, um das Gemeinwesen von seiner schlechten Stimmung zu befreien, stieß auf heftigen Widerspruch. Die souveräne Geste, es nicht zu fordern, sondern einfach zu tun, ist da von ganz anderem Glanz.

Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Foto: FR

Schon betreten Politiker die Bühne und schlagen vor, unsere Reichen mögen es ihren amerikanischen Freunden nachtun. Es ist einiges in Bewegung geraten auf den Konten des neuen Sozialkapitalismus, den der Medienwissenschaftler Norbert Bolz unter die Lupe genommen hat. „Nach der Versöhnung von Ökonomie und Ökologie am Ende des 20. Jahrhunderts“, so Bolz, „geht es im 21. Jahrhundert um die Versöhnung von Profitmotiv und sozialer Verantwortung. Wir fragen nicht nach den Grenzen des Wachstums, sondern nach einem neuen Reichtum, der sich mit den klassischen Begriffen der Ökonomie nicht fassen lässt.“ Bill Gates würde nicht widersprechen.

Autor:  Harry Nutt
Datum:  6 | 8 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken