Für das Welterbepublikum war das Wochenende die Zeit einer erneuerten Unübersichtlichkeit. Denn in den Meldungen, wonach Dresdens Elbtal mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit seinen Welterbetitel verlieren werde, klang an, es gäbe noch einen Ausweg aus dem Schlamassel.
Seitdem dieser die Oberhand gewonnen hat, beherrscht er das Denken, Sprechen und Handeln in Dresden. Der Schlamassel wurde politisch sanktioniert und juristisch festgeklopft, er wurde, mit Beginn der Bauarbeiten zur Waldschlösschenbrücke, in die Elbauen gedübelt. Seit drei Jahren kolonialisert der Schlamassel die Köpfe und wurde von den Brückenfanatikern wie von den -feinden als semantischer Bürgerkrieg verstanden. Die Deutsche Presseagentur will nun aufgrund exklusiver Informationen erfahren haben, dass die in diesen Tagen in Paris anstehende und Ende des Monats in Sevilla vom Unescokomitee endgültig geplante Aberkennung nur noch dann abgewendet werden könne, wenn für die Brücke "ein neues Design" gefunden werde.
Das wäre denn neu, denn die Legitimtionsprobleme haben sich, mit Blick auf die Elbaue, nicht auf das Brücken-Design konzentriert, sondern in der Hauptsache auf das Faktum einer Elbüberquerung - und dieses Faktum hat sich auch am Wochenende, wie die Dresdner am Samstag in der Sächsischen Zeitung lesen konnten, Geltung verschafft. Hat doch allein die angekündigte Aberkennung des Welterbetitels bereits weitreichende finanzielle Konsequenzen.
Dresden erhält kein Geld aus einem 150 Millionen Euro umfassenden Förderprogramm für deutsche Welterbestätten. Eine Kommission, die von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) einberufen wurde, sieht wegen des Baus der Waldschlösschenbrücke keine Grundlage mehr für die Finanzhilfe. Mit insgesamt zehn Millionen Euro wollte Dresden unter anderem das im Welterbegebiet gelegene Lingnerschloss sanieren. Auf Gelder wurde zudem für den Wiederaufbau der Busmann-Kapelle, für die Wiederherstellung eines Viadukts im Park von Schloss Albrechtsberg sowie für das elbnahe Schloss Übigau gehofft. Die Legitimationsprobleme des Schlamassels treten im postbarocken Dresden ins Stadium einer neuerlichen Unübersichtlichkeit.