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Times Mager: Alles Lüge

Wo er Recht hat, hat er Recht: Der "Kampf der Kulturen" findet, so der Schriftsteller und Islamwissenschaftler Navid Kermani in Deutschland vor allem in Feuilletons und Talkrunden statt. Von Christian Schlüter

Wo er Recht hat, da hat er Recht: Der "Kampf der Kulturen" findet nach Ansicht des Schriftstellers und Islamwissenschaftlers Navid Kermani in Deutschland vor allem in Feuilletons und Talkrunden statt. Dabei hätten Journalisten, Politiker und Wissenschaftler zumeist keine Ahnung von unserer multikulturellen Wirklichkeit. Außerdem, so der Träger des diesjährigen Hessischen Kulturpreises, sei das größte Integrationshindernis für Einwanderer immer noch unser Bildungssystem.

So isses. Endlich wird den Meinungseliten eingeschenkt: Den Kulturkampf beschwören, aber bei der Schule sparen! Und über letzteres kein Wort verlieren. Ach ja, unsere Meinungseliten...

Zum Beispiel neulich, beim langweiligen TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier: Alle beklagten die lahme Performance der beiden Politiker, kaum jemand verwies auf die vier Flachpiepen, die ganz offenbar nicht in der Lage waren, das zu tun, was sie als gute Journalisten eigentlich hätten tun müssen, nämlich gute Fragen zu stellen. Stattdessen betreiben sie das brandgefähliche Geschäft der Entpolitisierung einfach mit.

Oder bei der Empörung über den Kniefall der Frankfurter Buchmesse vor Chinas Diktatoren: Dieser Empörung war vor allem die Erleichterung darüber anzumerken, mal wieder einen klaren moralischen Standpunkt einnehmen zu können. Dass und wie die Chinesen hier auftreten, hat allerdings eher damit zu tun, dass wir alle sehr lange von der einstmals billigsten Werkbank der Welt profitiert haben... Schon wieder vergessen?

Oder beim Dauerthema Finanz- und Wirtschaftskrise: Hier wird immer noch so getan , als seien deren Akteure, die Manager und ihre bösen Boni, wie Aliens über uns gekommen. Dabei ist ihre Existenz allein unter der Voraussetzung "entgegenkommender Lebenswelten" möglich - ohne ein schnäpchenseliges Volk von Vorteilsnehmern keine gierigen Manager. Sie verkörpern also nur das ins Extrem getriebene Set der in dieser Gesellschaft fest verankerten Werte.

Hoppla, haben wir das jetzt gesagt? Eigentlich müssten wir das System angreifen. Sofort! Herr Kermani, helfen Sie!

Autor:  Christian Schlüter
Datum:  24 | 9 | 2009
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