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Times Mager: Angelobung

Den "einen und einzigen" Gott habe sie angerufen bei der Vereidigung, sagt die frischgebackene NRW-Sozialministerin Aygül Özkan. Gibt es gar nicht, donnerten die Katholiken zurück. Von Christian Schlüter

Christian Schlüter ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
Christian Schlüter ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Immer Ärger mit Aygül Özkan. Kaum hat die türkischstämmige CDU-Politikerin und jetzt endlich auch niedersächsische Sozialministerin ihre Parteikollegen mit dem Hinweis in Wallung gebracht, dass nicht etwa nur Kopftücher, sondern ebenso Kruzifixe nicht an staatliche Schulen gehörten, da droht auch schon das nächste Unheil.

Denn auf ihrem nun wahrlich steinigen Weg zum Ministeramt wollte und musste sie als christlich-demokratische Politikerin selbstverständlich eine Eidesformel sprechen, in der auch der Passus "So wahr mir Gott helfe" vorkommt. Özkan erklärte dazu, sie habe sich bei ihrer Angelobung an den "einen und einzigen Gott" gewandt, der Christen, Muslimen und Juden gemeinsam sei.

Tja, wenn das so einfach wäre. "Theologisch sind der Gott der Christen und der Gott des Islam nicht gleichzusetzen", donnerte es umgehend aus dem Bistum Essen. Aber eben nur theologisch, denn, so der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke: "Dass Aygül Özkan bei ihrer Vereidigung die Gottesformel ,so wahr mit Gott helfe‘ gesprochen hat, ist ein richtiges Signal." In dem gleichen Sinne wie die Katholiken, wollten sich übrigens auch die Protestanten trotz theologischer Bedenken politisch freuen, sprechen wir also von einer theologisch verhaltenen Freude.

Theologische und politische Motivlagen sind nicht immer einfach zu verstehen. Das musste unlängst auch der iranische Geistliche Kasem Sedighi erfahren, nachdem er erklärt hatte: "Viele Frauen, die sich nicht züchtig kleiden, führen Männer auf den falschen Weg, zerstören ihre Keuschheit und verbreiten Unzucht in der Gesellschaft, was zu Erdbeben führt." Sofort prüften tausende "unzüchtig" gekleideter Frauen auch in den USA diese politisch-theologische Erdbebentheorie im Namen des einen Gottes. Doch trotz tiefster Dekolletés wollte nichts passieren. Oder hatten die Frauen da etwas missverstanden? Das lässt uns umstandslos auf Aygül Özkan zurückkommen. Die Muslimin wird gewiss noch so manchen Gesinnungsstriptease hinlegen, gewissermaßen ihr politisch-theologisches Dekolleté zeigen müssen. Doch hey, immer locker bleiben, im Zweifelsfall liegt ein "Missverständnis" vor.

Autor:  Christian Schlüter
Datum:  29 | 4 | 2010
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