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Times Mager: Ballspielverein

Das Ruhrgebiet als Kulturhauptstadt 2010? Gut & schön. Am Samstag aber, da wird dort erstmal die Kultur des Balles gefeiert: Borussia Dortmund wird 100 Jahre alt. Von Christian Thomas

 Christian Thomas ist Ressortleiter des Feuilletons der Frankfurter Rundschau.
Christian Thomas ist Ressortleiter des Feuilletons der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Kulturhauptstadt 2010, so ist es abgemacht, zwischen Osten und Westen, eine ganze Region soll unter dem Motto zusammenkommen. Es geht um das Ruhrgebiet. Und bei dem Motto, Kulturhauptstadt Europas, RUHR 2010, um nichts weniger als ein gemeinsames Dach, jedenfalls für ein Jahr.

Daran müssen wir die ganze Zeit denken, hier und heute, bereits einen Tag vor dem Jubiläum des hundertjährigen Bestehens. Denn es geht um mehr als eine Metropole, es geht im Grunde um Mutterliebe. Diese nämlich muss nur einen Mutterleib sehen, um sich nicht nur für Gefühlsseligkeiten empfänglich zu zeigen, sondern für einen großen Gedanken, darunter den (denn noch immer befinden wir uns im Ruhrgebiet), dass der Mutterleib dem perfektesten Körper nachempfunden ist, den die Natur eines Tages geformt hat: dem Ball. Ja, er ist es, der Gedanken freisetzt, der Gedanken an Heldentaten gebiert, denn sonst würde nicht der werdende Vater seiner hochschwangeren Liebsten die Hand auf den bebenden Bauch legen und sagen: Hömma, unser Kurzer will den Ball einfach nicht flach halten.

Was also wäre das Ruhrgebiet ohne seine Zwillinge, Pathos und Mutterwitz. Und was ohne den Club, der bereits im Namen das Motto verkörpert: Ballspielverein Borussia. Gibt es etwas Schöneres, wo doch der Spieltrieb alles andere als ein blinder Ballspieltrieb ist, vielmehr den ästhetischen Sinn schärft. Das Ruhrgebiet mag Kulturhauptstadt werden, Metropole im Geltungsbereich Europa. Für unseren Ballspielverein ist das zu wenig. Hat er doch den Titel eines Zentrums in der gesamten Fußballwelt zu verteidigen. Unser Ballspielverein, der vor einhundert Jahren an einem Ort gegründet wurde, der als Borsigplatz in die Geschichte eingegangen ist, bildet das literarische Zentrum der Fußballwelt.

Denn wo sonst in der Welt existiert ein auch nur annähernd so präziser Reim, auf dass ihn morgen über 80000 gemeinsam anstimmen, wieder einmal, erneut beseelt, unter dem gemeinsamen Dach des größten deutschen Stadions. Und die über 80000 haben vollkommen recht:

Olé, olé, olé, olé

Borussia Dortmund, BVB.

Autor:  Christian Thomas
Datum:  17 | 12 | 2009
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