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Times Mager: Bankett

Die Baden-Badener Hoteliers murren, weil die Gipfel-Orte Kehl und Straßburg auf dem Logo für das Nato-Treffen stehen, aber nicht Baden-Baden - DER ORT DES BANKETTS. Von Judith von Sternburg

Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Heute auf den Tag vor 245 Jahren wurde in Frankfurt Joseph II. "bei günstigem Wetter" zum römisch-deutschen König gekrönt. Der junge Goethe schaute zu, sah Masse und Pracht und sah den künftigen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, den er lieber als "mächtige, dem Anzug gewachsene Gestalt" erlebt hätte. So steht es in "Dichtung und Wahrheit".

Beim offiziellen Bankett gelingt es ihm, einen Blick in den Saal zu erhaschen. Der ist grandios ausgestattet, aber, hoppla, die meisten Tische sind ja leer. Viele Gäste sind nicht angereist und haben Gesandte geschickt, die aus protokollarischen Gründen nebenan essen. Andere sind nicht da, obwohl sie sich in der Stadt aufhalten. Goethe findet es im Rückblick (1811) gespenstisch und deutet es politisch. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation ist inzwischen untergegangen, also hat er Recht. Zugleich ist es in der Situation des Jahres 1764 nicht weiter schlimm. Das Volk soll ruhig gaffen, wie 44 (!) Grafen (!!) als Kellner (!!!) in den Saal stolzieren. Am Ende gilt: Wie's da drin aussieht, geht niemand was an.

Nun will es der Zufall, dass auch heute schon wieder ein Gipfeltreffen beginnt, das ohne offizielles Bankett nicht auskommen wird. Von Absagen ist nichts bekannt. Aber es kam uns zu Ohren, dass die Baden-Badener Hoteliers murren, weil zwar die Gipfel-Orte Kehl und Straßburg auf dem Logo für das Nato-Treffen stehen, nicht jedoch Baden-Baden - DER ORT DES BANKETTS. Die Badische Zeitung berichtete vor einigen Tagen von Wirten, die eine Stornierung von Zimmerbuchungen erwogen. Hui, da werden die Nato-Gäste aber einen Schreck bekommen haben. Man hat auch nichts mehr davon gehört. Am Ende gilt: Dabei sein ist alles. Erst recht bei günstigem Wetter. Was wäre das peinlich gewesen, wenn die Tagesschau einen Schwenk durch den halbleeren Frankfurter Bankettsaal gezeigt hätte. Ein herumlungernder Teenager aber bringt Reiche nicht ins Schwanken.

Allerdings würden auch Frankfurts Hoteliers darauf bestehen, dass Frankfurt auf dem Logo steht. Und sie würden als Strafe ankündigen, dass die anreisenden Nato-Mitglieder finanziell nie mehr auf die Beine kommen. Und jeder wüsste, dass das eine ernstzunehmende Drohung ist.

Autor:  JUDITH VON STERNBURG
Datum:  2 | 4 | 2009
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