Das heutige Wetter wird Ihnen präsentiert von der Frankfurter Rundschau. Es wird dadurch nicht besser als es ohnehin würde, aber es wird auch nicht schlechter. Darauf kommt es nicht an. Die Hauptsache ist, dass das Wetter endlich privatisiert wird. Nur dann kann es bedarfsgerecht gestaltet werden, für alle Berufsgruppen getrennt, für Urlauber regional spezifiziert, mit individuell regelbarer Temperatur und Niederschlagsmenge sowie fünf verschiedenen Optionen für den Luftdruck. Das ist zwar heute noch Zukunftsmusik, aber seien Sie sicher: Das schafft nur der Markt.
Bisher war das Wetter eine Sache der Allgemeinheit, also gewissermaßen eine öffentlich-rechtliche Angelegenheit. Das konnte nicht auf die Dauer gut gehen, wir haben das täglich gemerkt.
Ein wichtiger erster Schritt war es, das Wetter in den Medien nicht mehr zu berichten, sondern zu präsentieren. Das Wetter änderte sich dadurch nicht, aber alles wurde spannender: die Animationen bewegter und dramatischer, die Zahlen und Linien angriffslustiger, die sprachliche und mimische Begleitung gefühlsintensiver. Das war der entscheidende Schritt vom Wetterbericht zum Meteotainment. Ein schwerer Schlag, nebenbei, für den Deutschen Wetterdienst, der bestenfalls noch als Lieferant von Material geduldet wurde. Mit diesem Material aber gingen die Meteotainer viel freier um als ihre Vorgänger, die Wetterberichter.
Von vielen unbemerkt wurde zum Beispiel der Grundsatz formuliert und in die Tat umgesetzt, dass das jeweilige Wetter völlig gleichgültig sei, es komme vor allem darauf an, dass es besser wird. Und zwar nicht schon morgen, das wäre zu viel erwartet. Auch würden sich morgen zu viele Leute erinnern, dass heute etwas Anderes versprochen wurde. Also übermorgen: Schluss mit dem unbeständigen Wetter, spätestens übermorgen wird es sich stabilisieren; Schluss mit dem Sturmtief, übermorgen scheint die Sonne wieder; dieser schauerliche Dauerregen wird übermorgen vorbei sein, und wenn es Ihnen zu heiß und zu trocken ist: Übermorgen wird es besser.
Das war, wie gesagt, nur der erste Schritt. Den Rest regelt der Markt, irgendwie.