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Times Mager: Der Auftrag

Der Bayerische Oberste Rechnungshof konstatiert, dass sich Chor und Orchester des BR von ihrem "ursprünglichen Auftrag" entfernt hätten und wirtschaftlich auszugliedern seien. Und welchen Auftrag hat ein Rechnungshof? Von Hans-Jürgen Linke

Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Was eine Kulturnation ist, weiß niemand ganz genau, aber dass es sich bei der unsrigen um eine solche handele, ist weithin Konsens. Das erkennt man unter anderem daran, dass vor jedem Wahltermin auf die Prüfstein-Anfrage des Kulturrats, ob Kultur als Staatsziel ins Grundgesetz aufgenommen werden solle, fast alle Parteien einmütig dafür sind. Auf die Frage, ob der Oberste Rechnungshof eines Landes Verfassungsorgan sei, wäre übrigens ein klares Nein die korrekte Antwort.

Nun trägt sich aber folgendes zu: Der Bayerische Oberste Rechnungshof konstatiert, dass sich Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks von ihrem "ursprünglichen Auftrag" entfernt hätten und darum aus dem Bayerischen Rundfunk organisatorisch und wirtschaftlich auszugliedern seien. Der ursprüngliche Auftrag habe darin bestanden, "Sendungen für die Programme des BR zu erstellen", heißt es da.

Jeder sieht sogleich, dass man dazu heute kein Spitzenorchester mehr braucht, denn erstens läuft im Radio meist ganz andere Musik, und zweitens kann man erfahrungsgemäß ein Programm auch gestalten, indem man CDs spielt und Moderatoren kurze Sätze mit vielen Superlativen schreien lässt. Das wäre dann wie Privatradio und daher in mehrfachem Wortsinne billiger.

Dass der Einwurf aus dem Rechnungshof ein Wort wie "Kultur", gar noch in Verbindung mit dem Wort "Auftrag", nicht zu kennen scheint und dass bei der Zuschreibung ursprünglicher Aufgaben auch keine Ahnung von der historischen Bedeutung der Rundfunkanstalten als Kulturträger durchschimmert, ist auffällig. Der Bayerische Oberste Rechnungshof hat offenbar von Kultur und vom Kulturauftrag des Rundfunks so viel Ahnung wie eine Kuh von den biochemischen Prozessen in dem Gras, das sie wiederkäut, um mal einen in München hoffentlich nachvollziehbaren Vergleich anzuführen.

Nichts ist dagegen einzuwenden, dass man im Rechnungshof offenbar private Radiosender hört und sich damit von der Arbeit ablenken lässt. Aber vielleicht sollte sich jemand einmal ernsthaft mit der Frage befassen, wozu man Rechnungshöfe braucht und ob sie sich nicht von ihren ursprünglichen Aufgaben manchmal recht weit entfernen.

Autor:  Hans-Jürgen Linke
Datum:  31 | 8 | 2009
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