Polykrates hatte einfach kein Glück, die Götter nahmen sein Opfer, einen überaus kostbaren Ring, den er ins Meer geworfen hatte, um mit dem Schmerz des Verlustes ihren Neid zu besänftigen, nicht an: Schon am nächsten Tag kam ein Fischer und schenkte ihm einen Fisch, der eben jenen Ring verschluckt hatte. Das kann kein Zufall sein, aber Glück sieht anders aus. Friedrich Schiller war es, der die Welt bereicherte mit einer beschwingten Ballade über den Tyrannen von Samos, der sein Leben am Kreuz beendete. Vermutlich nicht lange nach der Ring-und-Fisch-Geschichte.
Und jetzt taucht der Ring erneut auf, diesmal in Paris. Auf den Planken einer Brücke muss er gelegen haben, komisch, man hatte ihn gar nicht gesehen, man hatte wohl beim Überqueren der Seine nur Augen für das Museum gegenüber gehabt. Plötzlich aber bückt sich jemand und ruft erfreut: "Sehen Sie mal, ein Ring!" Der Mann hat Glück gehabt, er strahlt, und hält einem ein klobiges, messingfarbenes Blechding entgegen: Bestimmt ist er wertvoll! Sehen Sie mal hier, eine Prägung. Schade, sagt er dann, es sei gegen seine religiöse Überzeugung, einen Ring zu tragen, aber Ihnen, Monsieur, würde er bestimmt Glück bringen. Ob man ihm vielleicht mit ein wenig Kleingeld aushelfen könnte? Kein Problem, Kleingeldschnorrer, die sich so viel Mühe geben, sollen belohnt werden. Aber er will mehr. Er will, dass man das Portemonnaie aus der Tasche zieht, es dauert ein bisschen, bis man ihn wieder los ist.
Wochen später, wieder auf der gleichen Brücke, findet wieder jemand einen wertvollen Ring, welch ein Glückstag! Und macht sich schnell davon, als man sagt, diesen Trick kenne man nun schon. Man kann für "Trick" in Frankreich das Wort faux-fuyant verwenden, aber wer, die lautliche Verwandtschaft nutzend, das Wort "truc" sagt, trifft auch schnell auf Verständnis, wie man eine gute Stunde später in der gleichen Gegend erproben kann. Der Ring-Trick ist eine Geschäftsidee, deren Innovationspotenzial schnell verloren gegangen ist. Ein paar Tage später in einer deutschen Stadt findet schon wieder jemand den gleichen Ring. Aber von Polykrates lernen heißt, dem Glück nicht trauen.