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Times Mager: Die Lage

Was Protestanten so beim Abendmahl aus dem Kelch nippen, ist von oft so erbärmlicher Qualität, kaum auszuhalten: konturloses, aufgespritetes, süßes Zeugs. Von Hans-Jürgen Linke

Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Lange, bevor es so etwas wie Protestanten gab, hat die Kirche im Weinberg des Herrn gearbeitet und für die Ausbreitung von vitis vinifera gesorgt. Eine Spätfolge dieser zivilisatorisch folgenreichen Arbeit ist der Umstand, dass das, was in - wie man heute ergänzen muss: katholischen - Kirchen an Messwein konsumiert wird, meist von recht ordentlicher Qualität ist. Protestanten scheinen andere Zilivisationserrungenschaften zu favorisieren. Was die Teilnehmer eines protestantischen Abendmahls aus dem Kelch nippen, ist von oft so erbärmlicher Qualität, wie man es keinem vernunftbegabten Katholiken mehr als ein Mal einflößen könnte: konturloses, aufgespritetes, süßes Zeugs.

Nun ist niemand Katholik oder Protestant wegen der Qualität der Getränke, die Sache liegt seit je wesentlich komplizierter. Was aber müsste man zu sich genommen haben, um auf einen Alkoholgehalt von gut anderthalb Promille zu kommen? Ein Getränk wie den im Norden des Landes üblichen Messwein jedenfalls nicht. Nach Berechnungen von www.blutalkohol-homepage.de, bei der allerlei Parameter der trinkenden Person berücksichtigt werden müssen, wäre mindestens ein Liter Wein nötig, und der müsste innerhalb von drei Stunden getrunken sein. Bei gutem Wein kein Problem für ein fühlendes, schmeckendes Wesen, bei nördlichen Messweinen wäre allerdings größte Übelkeit zu befürchten. Die Alternative wären zwei Liter Bier, eine Oktoberfest-Dosis, die nach Ansicht regionaler Politiker die Fahrtüchtigkeit nicht ernsthaft gefährdet, oder ein guter Viertelliter einer Spirituose. Verlockend klingt das alles nicht.

Gut, es geht auch ohne Verlockung. Etwa mit dem, was Hannoveraner ihr Nationalgetränk nennen (www.luettje-lage.de), als sei das Hannöversche eine Nationalität. Die so genannte Lüttje Lage besteht aus einem obergärigen Bier, einem Glas Kornbrand und einem eigentümlichen Ritual, das aus Reiseberichten bekannt ist, von denen man allerdings nicht weiß, wie authentisch sie sind. Dieses Ritual verlangt einen kleinen Rest an Fingerfertigkeit und Gleichgewichtssinn, Eigenschaften also, die alkohollöslich sind, und wer´s nicht schafft, zahlt die nächste Runde.

Datum:  25 | 2 | 2010
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