Er werde, sagte Bundesaußenminister Westerwelle, seine Begrüßungsansprache auf Deutsch halten. Das war eine Anspielung. Dann sagte er Abendrot, Morgenstern, Blütenstaub. Schöne Worte in einer schönen Sprache. Hinzu kommen die Eigenheiten des jeweiligen Sprechers. "Das nennt man dann Duktus", sagte Westerwelle. Das war wieder eine Anspielung. Viele lachten.
Guido Westerwelle war am Donnerstag der Eröffnungsredner einer Berliner Veranstaltung des Auswärtigen Amtes und diverser Mittlerorganisationen, bei der eine gemeinsame Kampagne für die deutsche Sprache vorgestellt wurde. Hässliche Worte wie Leistungsgerechtigkeit oder anstrengungsloser Wohlstand fielen nicht. Unter dem Motto "Sprache der Ideen" werben die Mittler vielmehr mit Sprachkursen, Stipendien und einer Bildungsmesse für das Erlernen des Deutschen als Fremdsprache. Das soll der Verständigung dienen und dabei helfen, die marktförmigen Standortvorteile zu sichern.
Dem Publikum in der Berliner Location Radialsystem begegnete man derweil mit einer durchpädagogisierten Feier der Sprache. Mit künstlerischen Darbietungen wurde vorgeführt, wie vielfältig sprachlicher Ausdruck sein kann. Es wurde gestöhnt, gebrummt und geklopft. Gleich zweimal fielen Papierschnipsel von der Decke mit der Aufschrift: Ich spreche mit Ihnen. Der heiterste und wohl auch intelligenteste Vortrag stammte von der japanischen Schriftstellerin Yoko Tawada. Anderes erinnerte an das kunstgesättigte Schema Lyrik und Jazz.
Westerwelle, Goethe und andere schicken die deutsche Sprache in die Welt. Was soll daran schlecht sein? Die etwas angestrengte Form der Sprachwerbung vermochte Zweifel nicht zu zerstreuen. Schöner ist es, wenn die deutsche Sprache unerwartet ins Spiel kommt. In Frankreich hat beispielsweise ein Sänger namens Helmut Fritz allein deshalb Erfolg, weil er mit deutschem Akzent singt. Es ist unter französischen Jugendlichen cool, mit deutschem Akzent zu sprechen. Für einen Sprachkurs der Kampagne ist Helmut Fritz übrigens nicht verloren. Nach allem, was man weiß, kann er gar kein Deutsch.