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Times Mager: Fälle

Bei der Klage über extensiven Aufenthalt in virtuellen Welten gerät oft aus dem Blick, dass sich diese in äußerst realen Gegenständen befinden. Die Zahl der Computerunfälle wächst ständig. Von Judith von Sternburg

Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

An Haltestellen ist gut tagträumen. Nur wem hier unversehens eine Computertastatur auf den Fuß fällt, weiß, wie das wehtut. Der Besitzer verbirgt unterdessen kaum die Erleichterung, dass seine Tastatur nicht direkt auf den Boden aufschlug.

Bei der Klage über extensiven Aufenthalt in virtuellen Welten gerät oft aus dem Blick, dass sich diese in äußerst realen Gegenständen befinden. Nicht für den ÖPNV, wohl aber für Privathaushalte wurde kürzlich errechnet, dass die Zahl der Computerunfälle ständig wächst. Es geht dabei nicht um Kurzschlüsse etc., sondern ausdrücklich um Maschinen, die auf Menschen fallen, speziell auf Kinder. Also aufgepasst!

Nun folgt noch eine Anekdote aus dem teilweise wirklichen Leben. Ein Junge in der Grundschule - wir wollen ihn Danijel nennen - lud einst auch ein Mädchen zum Geburtstag ein. Die Mutter legte vorsorglich Lustige Taschenbücher bereit, damit sich Gast nicht langweilte. Was aber mag aus Danijel P. geworden sein? Schauen wir halt im Internet. Sofort taucht ein kroatischer Lyriker & Filmkritiker auf. Der Jahrgang stimmt. Er lebt in Zagreb und hat erst kürzlich wieder einen Preis erhalten. Das ist beeindruckend. Und in der Tat: War Danijel P. nicht ein nachdenklicher Junge, die Wahl seines Eintrags ins Poesiealbum nicht poetisch? "Ein kleines Lied! / Wie geht's nur an, / Dass man so lieb es haben kann, / Was liegt darin? Erzähle! / Es liegt darin ein wenig Klang, / Ein wenig Wohllaut und Gesang, / Und eine ganze Seele." Die Kinder staunten damals sehr. Später zeigt sich: von Marie von Ebner-Eschenbach abgeschrieben. Aber fast ohne Rechtschreibfehler, zumal das zweite "n" in "man" mit einem Tintenkiller entfernt wurde. Aber warum schreibt Danijel heute auf Kroatisch, wann ging er zurück und weshalb? Das Gefühl ist nicht übel, bei einem späteren angesehenen kroatischen Lyriker & Filmkritiker zum Geburtstag eingeladen gewesen zu sein, der dann in die große weite Welt hinausging.

Da aber kennt das Internet auf einmal noch einen Danijel P.. Er wohnt um die Ecke und ist ein angesehener Vereinsbillardspieler. Dass Billard auch im Verein gespielt wird: Man lernt nie aus.

So beschert der Computer uns zwar vielleicht Träume, gewiss aber Ernüchterung.

Autor:  JUDITH VON STERNBURG
Datum:  25 | 6 | 2009
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