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Times Mager: Falschgeld

Kürzlich hat mir der Bankautomat wieder Falschgeld ausgespuckt. Sitzen geblieben bin ich darauf noch nie, denn im Grunde wird Falschgeld in China genauso benutzt wie echtes. Von Bernhard Bartsch

Bernhard Bartsch ist Korrespondent der FR für China und Asien.
Bernhard Bartsch ist Korrespondent der FR für China und Asien.
Foto: FR

Kürzlich hat mir der Bankautomat wieder Falschgeld ausgespuckt. Meistens merke ich das erst, wenn mir ein Verkäufer oder Taxifahrer einen Schein kopfschüttelnd zurückgibt. Ich stecke die Blüte dann in meinem Geldbeutel ganz nach vorne, um sie bei nächster Gelegenheit loszuwerden. Sitzen geblieben bin ich darauf noch nie, denn im Grunde wird Falschgeld in China genauso benutzt wie echtes. Völlig korrekt ist das natürlich nicht, aber mein schlechtes Gewissen hält sich in Grenzen, solange auch die chinesischen Staatsbanken regelmäßig Blüten in Umlauf bringen.

Ob die Banken dabei aus den gleichen Motiven handeln wie die Normalbürger, oder ob ihre Prüftechnik versagt, ist Thema wilder Spekulationen. Allerdings achte ich darauf, dass ich die Fälschungen nicht armen Straßenhändlern unterjuble, sondern lieber der Telefongesellschaft oder dem Steueramt. Da man in China Rechnungen meist bar bezahlt und der größte Schein gerade einmal 100 Yuan (10 Euro) wert ist, hantiert man öfter mit dicken Geldstapeln, bei denen kaum auffällt, wenn sie nicht durch und durch echt sind.

Chinesischen Medien zufolge ist der Falschgeldmarkt ein Saisongeschäft, das seinen Höhepunkt vor dem chinesischen Neujahrsfest hat. In Chinas Webforen finden sich hunderte Falschgeldanzeigen, oft in den Kommentarspalten versteckt. Für die Kontaktaufnahme gibt es eine Telefonnummer. Der Wechselkurs zwischen Echt- und Falschgeld richtet sich nach der Qualität, wobei die besten Blüten bis zu einem Drittel des Nennwertes kosten.

Vergangenes Jahr konfiszierte die Polizei innerhalb von zehn Monaten Blüten im Wert von 120 Millionen Euro. Ein chinesischer Handyhersteller hat deshalb bereits ein Mobiltelefon mit eingebautem Wasserzeichenprüfer auf den Markt gebracht.

Solange ich meine Blüten problemlos ausgeben kann, werde ich aber auf den Kauf verzichten. Einmal habe ich die Fälschung sogar schon am Bankautomaten gemerkt und die Beschwerde-Hotline anrufen. "Falschgeld? Kann nicht sein", sagte die Frau am anderen Ende. Gewissermaßen hatte sie sogar recht. Eine Stunde später hatte ich für den falschen Hunderter köstlich gegessen.

Autor:  Bernhard Bartsch
Datum:  5 | 2 | 2010
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