Es ist Weinachten. Und in den Kinos läuft ein Film wie verrückt: James Camerons "Avatar". Viele mögen den Zusammenhang zwischen diesen beiden Ereignissen als allein kommerziellen verstehen, eben als den üblichen Weihnachtskassenschlager aus Hollywood. Wir aber wissen, es gibt einen tieferen, einen spirituellen Zusammenhang. Er ist von der ganzen Filmkritik nicht bemerkt worden, was kein gutes Licht auf dieselbe wirft. Deswegen hier nun die frohe Botschaft, weltexklusiv in einem einzigen Times Mager.
Camerons Film ist nicht etwa nur eine ökologisch grundierte, liebeslebensechte Schmonzette mit grandiosen Actioneinlagen, an deren Ende mal wieder das Gute gewinnt. Vielmehr erkundet dieses Meisterwerk die technischen und ästhetischen Möglichkeiten des christlichen Messianismus unter den Bedingungen der Totaldigitalisierung. Das zeigt bereits der Name "Avatar" an, mit dem für gewöhnlich ein künstlicher oder grafischer Stellvertreter einer echten Person in der virtuellen Welt gemeint ist.
Dergleichen kennen wir aus Computerspielen wie Second Life oder World of Warcraft. Doch in "Avatar" ist alles viel größer, einen ganzen Planeten groß. Und der stellt in seinem unendlich schönen Farben- und Formenreichtum, in seiner unfassbar klugen, dabei totalvernetzten Naturgeisthaftigkeit nur vordergründig ein Biosphärenparadies dar, das von der sündigen Menschheit heimgesucht wird, nachdem sie ihr Heimatgestirn ruiniert hat - in Wahrheit haben wir es mit einer Totalmatrix zu tun, gegen die unser Internet ziemlich alt aussieht.
Statt der Mensch-Maschine-Schnittstellen aus der Computersteinzeit - so da wären: Maus, Keyboard, Headset - bietet "Avatar" ein sarkophagähnliches Ganzkörperinterface: Der Mensch legt sich hinein und wird als Avatar und einem Fall auch als neuer Heiland geboren. Ein Retter, der, weil er dauernd online ist, zur Seite seiner irdischen Existenz nicht mehr isst und streng zu riechen anfängt. So erzählt es Camerons Film. Aber die Naturgeistmatrix befreit die Seele des Heilands von dessen sterblicher Hülle und lässt sie in den Avatar fahren. Erlöst in der ewigen Matrix und deshalb der Menschheit ein Trost.