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Times Mager: Gegenwind

Da will sich einer den "Schneid nicht abkaufen" lassen. Und tut so, als habe er welchen. Aber selbst wenn: Wir würden ihm den Schneid gar nicht abkaufen wollen. Von Hans-Jürgen Linke

Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Schneid haben sie ja. Das Problem ist nur: Sie haben kein Glück mit ihrem Schneid. Senken entschlossen die Steuern für Übernachtungsbetriebe und müssen sich den Vorwurf der Klientelpolitik anhören. Senken die Subventionen für die Solarwirtschaft und bekommen Gegenwind, weil sie die Weltmarktposition unseres Landes in dieser Branche achtlos preisgeben. Organisieren internationale Reisen für geneigte Spender und werden der Vetternwirtschaft bezichtigt. Setzen in Entwicklungsländern von Männerschweiß durchtränkte alte Militärmützen auf und müssen später lesen, sie hätten ein merkwürdiges Verständnis von Entwicklungspolitik. All das war mehr oder weniger vorhersehbar, und auf vorhersehbare Kritik kann man sich einstellen. Man muss eben nur den Schneid aufbringen, sich so weit aus dem Fenster zu lehnen. Was man nicht muss, ist: sich irgend welche Gedanken machen.

Schwer vorhersehbar war offenbar, dass nicht nur Regierungsmitglieder über Schneid verfügen, sondern auch Untergebene. Aber wenn nicht alle Welt über die alte Nomen-Est-Omen-Weisheit nur müde lächeln würde, hätte man vielleicht lesen und ahnen können, dass ein Wolfgang Schneiderhan Schneid hat und also, auch wenn nicht von Adel, durchaus in der Lage ist, vehement und wahrheitsliebend dagegen aufzutreten, dass seine Ehre und vielleicht sogar seine Ruhebezüge beschnitten werden könnten. Man hätte sich also, wenn man außer Schneid auch eine gewisse Umsicht aufgebracht hätte, auf eine Reaktion einstellen und vielleicht die eine oder andere Voreiligkeit vermeiden können.

Jaja: hätte, würde, könnte. Sagen wir einfach: Schneid und Umsicht scheinen einander auszuschließen. Ob das eine ermutigende Diagnose zum Regierungshandeln in Zeiten schwerer wirtschaftlicher, politischer, nationaler, weltweiter, unüberschaubarer Krisen und Problemlagen ist?

Wahrscheinlich ja. Jedenfalls wenn sich irgendwann jemand findet, der den ganzen Scherbenhaufen wieder wegkehrt. Ein Vorteil von Schneid gegenüber anderen Eigenschaften scheint, wenn wir Guido Westerwelle richtig verstanden haben, zu sein, dass man ihn nicht abkaufen kann.

Autor:  Hans-Jürgen Linke
Datum:  20 | 3 | 2010
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