Auch das Times Mager hat sich am Samstag redlich bemüht, etwas zustandezubringen. Jedoch ohne Erfolg.
Gerne hätte es in klugen, unlogischen Sätzen der Epik einer wohlgeplanten Willkür gehuldigt und einen Text geliefert, welcher die Tatsache, dass er sich zwangsläufig linear entfaltet (schon des Lesens wegen, dieses bürgerlich-konventionellen Vorgangs), raffiniert überspielt. Das ist schwieriger, als es klingt.
Damit sollte des jüdischen Schriftstellers und Kunsthistorikers Carl Einstein gedacht werden, der sich am heutigen Montag vor 70 Jahren auf der vergeblichen Flucht vor seinen deutschen Landsleuten in den Pyrenäen das Leben nahm. Und seines Buches "Bebuquin", das er vor dem Ersten Weltkrieg in seinen Zwanzigern schrieb. Darin exerziert er das oben geschilderte Wagnis selbst durch. Und scheitert zumindest nicht auf ganzer Linie. In einer unnacherzählbaren Abfolge kausal unverbindlicher Äußerungen erklärt etwa ein gewisser Nebukadnezar Böhm: "Wenn etwas auf das Gesetz erkannt wird, beweist es nur, die Sache ist als Erlebnis überlebt. Das Gesetz ist die Vergangenheit, dem Tod unterworfen." Es relativiert die Leichtfertigkeit, dass Nebukadnezar Böhm tot oder "imaginiert" ist, wie eine Euphemia meint, welche ihn nichtsdestotrotz geheiratet hat.
Mancher Leser ist daran gescheitert. Heftige Unterstreichungen im Reclamheftchen, das als Minimum aus dem Einstein-Oeuvre in jedes gut sortierte Bücherregal gehört, zeigen, dass die Studentin von einst dachte, mit ausreichend unterstrichenen Zeilen werde sie dem Sinn von "Bebuquin" auf die Spur zu kommen. Ein kardinaler Irrtum.
Bei Kurt Tucholsky fand sich eine freche Bemerkung. 1931 zitierte er aus einer Rezension Einsteins - offenbar zu Gedichten Gottfried Benns - einen peinlich pompösen Satz. Dessen einziger Sinn, so Tucholsky, bestehe offenbar darin, auszuloten, was einer Redaktion alles zuzumuten sei. Tucholskys Methode ist fies, aber leider funktioniert sie stets, wie die Blattkritik täglich beweist. In diesem Fall kann man daraus aber einen versöhnlichen Schluss ziehen: Ein Schriftsteller muss kein guter Journalist sein und eine Zeitungskolumne keine Literatur.