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Times Mager: Heimbürger

Eine Vorstellung von Sinneseindrücken der Zauberei bietet das münstersche Stadtmuseum, rechtzeitig zum 100. Todestag des "Herrn Alexander". Ist Ruhestand am Ende Zauberei? Von Christian Thomas

Christian Thomas ist Feuilletonredakteur der Frankfurter Rundschau.
Christian Thomas ist Feuilletonredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Um sich mit 35 Jahren zur Ruhe zu setzen, darf man nicht nur tricksen können. Anders als manchem Lebensabschnittskünstler heute gelang das dem Amerikarückkehrer Alexander Heimbürger. Aus Münster in Westfalen stammend, ging er, dem die Welt offen gestanden hatte, zurück nach Münster in Westfalen.

Hier, wo ihm die Zauberei nicht in die Wiege gelegt worden war, hier, in einem urbanen Umfeld und kulturellem Kontext aus braven Bahnen, ließ er sich anziehen von Apparaturen und Geistererscheinungen. So, im Bann des Unbürgerlichen und Unchristlichen, beschloss bereits der Junge, das Zaubern anzufangen. Damit aber kam er rum in der Welt, er bereiste die USA, überhaupt Amerika, Argentinien und Chile, Kuba und Mexiko. Und er hinterließ einen unglaublichen Eindruck.

Eine Vorstellung von diesen Sinneseindrücken, die, weil Zauber im Spiel war, zwangsläufig flüchtiger Natur waren, bietet jetzt das münstersche Stadtmuseum, rechtzeitig zum 100. Todestag des "Herrn Alexander". So nannte er sich, dem Amerika zu Füßen gelegen hatte, ob nun wegen der "Hervorbringung eines wunderschönen kleinen Mädchens aus dem Ei" oder der weltweit ersten Nummer eines in der "Luft schwebenden Kindes". Heimbürger aus Münster trat vor dem Präsidenten im Weißen Haus auf. Amerika sah zu, wie er mit einem einzigen Pistolenschuss 2000 Kerzen ansteckte.

Und sein münstersches Umfeld erlebte einen Mann, der von einem auf den anderen Tag davon absah, seine Passion auch weiterhin professionell auszuüben. Gut, hier ein Kunststück zu Wohltätigkeitszwecken, dort ein Altherrensolo.

Sein Lehrbuch für Zaubertricks entstand hinter der Fassade des Krummen Timpen 16, einem noch heute unscheinbaren Flecken Erde. Hier lebte er, Heimbürger, in Frieden, ohne Pointe, ohne Theatralik. Er starb 1909 mit 89 Jahren als der Mann, der im Land der unbegrenzten Möglichkeiten vorgemacht hatte, wie der Mensch mit seinen Zähnen eine Gewehrkugel auffängt. Was also wollte er mehr? Um als Zauberer mit 35 die Hände in den Schoß zu legen, muss man nicht nur tricksen, sondern in der Tat zaubern können.

Autor:  Von Christian Thomas
Datum:  26 | 7 | 2009
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