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Times Mager: Heiße Liste

Der hiesige Buchmarkt steht zur Zeit im Banne der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Davor stand er eine Weile lang im Semibann der Longlist; aber so richtig heiß wird es erst mit der "Hot List". Von Ina Hartwig

Dr. Ina Hartwig ist Literaturredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Dr. Ina Hartwig ist Literaturredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Der Verlistung des Literaturbetriebs mag nicht jeder zustimmen, aber sich ihr zu widersetzen kommt erst recht nicht in Frage. Ohne Liste läuft gar nichts mehr, und wehe dem, der auf keiner auftaucht. Während sich um die Bestsellerlisten wer weiß wer kümmert und die Literaturredaktionen gerade Wetten auf den nächsten Literaturnobelpreisträger abschließen, wobei naturgemäß wieder Listen wachsen, steht der hiesige Buchmarkt zur Zeit im Banne der Shortlist für den Deutschen Buchpreis.

Davor stand er eine Weile lang im Semibann der Longlist; aber so richtig heiß soll es jetzt werden mit der "Hot-List", die von kleinen, unabhängigen Verlagen kurzfristig aus dem Hut gezaubert worden ist. Man kann das verstehen und muss es nach Lage der Dinge begrüßen. Denn ärgerlich muss sein, schöne, originelle, wagemutige Bücher zu produzieren, ohne auch nur den Hauch einer Chance zu verspüren, auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, dem neuen Goldenen Kalb der Branche, zu landen.

Um sich gegen die stabil kanonische Hansersuhrkamprowohltfischerkiwiwelt einen Zipfel Aufmerksamkeit zu sichern, haben sich kleine Verlage zusammengetan - darunter kookbooks, weissbooks, Urs Engeler Editor, Verbrecher, Voland & Quist, Blumenbar, Folio -, um ihre eigene Liste mit 20 Titeln zu erstellen. Eine an sich glänzende Idee, nur hapert es noch ein wenig an der Seriosität. Die Abstimmung erfolgt per Mail, ist also beliebig manipulierbar. Außerdem ist unklar, wer über die Teilnahme entscheidet. Am Ende winkt der Publikumspreis von 5000 Euro, gestiftet von der Mayerschen Buchhandlung.

Bis zum 16. Oktober kann abgestimmt werden. Wie auf der Homepage www.hotlist2009.de zu lesen ist, versteht sich die Liste als Vorläufer zu einem neuen Independent-Buchpreis. Dazu müsste natürlich, wie bei jedem ordentlichen Preis, eine unabhängige Jury eingesetzt werden. Bevor dies geschehen ist, bleibt die heiße Liste ziemlich heiße Luft. Immerhin dürfte feststehen: Die Preisverleihung am Freitag, dem 16. Oktober 2009, um 22.30 Uhr auf der Party der Jungen Verlage im Kunstverein Frankfurt, moderiert von Denis Scheck, wird eine der nettesten.

Autor:  Ina Hartwig
Datum:  29 | 9 | 2009
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